von Peter Pelz

Sind Hietzings Schulstandorte zukunftsfit?

07. August 2020

Nicht nur Covid 19 sorgt für Erschütterungen im heimischen Schulsystem, sondern auch die Bagger, die bei Hietzings Pflichtschulen aufgefahren sind, um Platz für Schulerweiterungen zu schaffen.

Drei Schulumbauten statt Neubau auf Kosten von Bewegungsfläche

Bei der NMS Otto-Glöckl-Schule kommt anstelle des Sportplatzes ein neuer Trakt mit sechs zusätzlichen Klassen. Bei der VS-Speisingerstraße wurde der Hort planiert, und es wird dort auf Kosten des Grünraums die Volksschule um weitere 10 Klassen erweitert. Auch die Steinlechnergasse soll um vier Klassen erweitert werden.

Grundsätzlich begrüßt NEOS Hietzing mehr Schulplätze und Investitionen in Bildungseinrichtungen. In diesen beiden Fällen wird jedoch nicht im Sinne der Schüler_innen, Eltern und der Umwelt gehandelt.

Es besteht kein Zweifel: Hietzing braucht mehr Schulplätze. Die Kapazitätsvergrößerung hätte jedoch durch zumindest einen neuen Schulstandort erfolgen müssen statt Erweiterungen bestehender Schule auf Kosten von Grünraum durchzuführen.

Dieser fehlt jetzt nicht nur den Kindern zum Austoben, sondern auch dem Stadtklima. Denn je mehr versiegelte Fläche an einem Ort, desto weniger Platz für Bäume und somit weniger Abkühlung.

Für uns haben Stadt Wien und Bezirk Hietzing eine einmalige Chance vertan. Unsere entsprechenden Anträge - sowohl im Gemeinderat als auch in der Bezirksvertretung – wurden ohne inhaltlich nachvollziehbare Argumentation abgelehnt.

Unsere Alternativen im Sinne nachhaltiger Stadt- und Bezirksplanung

Alternative 1: Das Geriatriezentrum Lainz

Die denkmalgeschützten Bauten sind prädestiniert für einen neuen Schulstandort, direkt daneben entsteht überdies das Wohnbauprojekt Joseph-Listergasse.

Alternative 2: Schönbachstraße, neben der Stranzenbergbrücke an der Bezirksgrenze knapp im 12. Bezirk.

Hier gibt es freie Flächen, die sich für Schulen eignen und eine neue S-Bahnstation ist in unmittelbarer Nachbarschaft in Planung.

Beide Standorte würden die heute schon übervollen Volksschulen des Bezirks – besonders die Steinlechnergasse – entlasten und für viele kürzere Schulwege bedeuten.

Ein über den Bezirk verteiltes Pflichtschulangebot für kürzere Schulwege

Warum sind wir in der jetzigen Situation für Schulneubauten und gegen Erweiterungen? Gleichmäßig über den Bezirk verteilte Schulen ermöglichen kürzere Schulwege und das spart nicht nur viel Zeit, sondern ermöglicht es auch kleinen Kindern allein in die Schule zu gehen. So schafft man nachhaltig strukturierte kleine Einheiten – eben funktionierende Bezirksgrätzl.

Weite Schulwege fördern wiederum den motorisierten Individualverkehr, da das Elterntaxi – wenn vorhanden – die bequemste Art ist, die Schule zu erreichen. Der Öffentliche Verkehr wäre eine gute Alternative, aber wir Hietzinger wissen: alle drei der jetzt im Ausbau stehenden Schulen liegen auf der Straßenbahnlinie 60, die schon jetzt zu Spitzenzeiten überlastet ist - und dass kleine Kinder mit dem ÖV allein in die Schule fahren, ist auch nicht selbstverständlich. Auch wohnt nicht jeder im Einzugsgebiet des 60er.

Schulkinder mit dem Rad in die Schule zu bringen, ist aufgrund der allgemeinen Verkehrssituation rund um die Schulen auch (noch) keine einladende Alternative.

Hietzing ist kein Einzelfall

Leider sind die Schulen in Hietzing kein Einzelfall, so wird z.B. auch in Döbling eine Schule auf Kosten des Grünraums erweitert wobei es Alternativen gäbe.

Wir sagen dazu:

Wien, das geht besser!

Und fordern daher:

Eine nachhaltige Stadt-und Schulplanung, die der Bevölkerung dient und klimafit ist.

Eine verpflichtende Analyse des Schulwegs und Schuleinzuggebiets vor geplanten Schulausbauten.