von Christiane körner

Mehrheitlich angenommen – Amen!

10. Mai 2021

An Skurrilität kaum zu überbieten, war die Sondersitzung der Bezirksvertretung Simmering in der vergangenen Woche. Als Ort für die Sondersitzung wurde die Kirche Enkplatz gewählt. Das Zeitalter der Aufklärung dürfte in Simmering noch nicht angekommen sein.

Verkleinerte Schutzzonen

Zunächst zum Inhalt der Sondersitzung. Der Grund für die vorzeitig eingezogene Sitzung, war die Versetzung der Schutzzone rund um die Kobelgasse aufgrund eines Bauprojektes. Statt Tankstelle und Nachkriegsgebäude, soll ein Wohnhaus gebaut werden, mit Kindergartengruppe und Geschäftsflächen. Das Projekt lag in der Bezirksvorstehung zur Einsichtnahme auf, laut Bauausschuss gab es keine konkreten Einsprüche und auch die Vorstellung durch den Bauträger ließ auf eine Aufwertung des Gebietes schließen. Die Kobelgasse und deren signifikanter Pflasterboden, der an das alte Simmering erinnert, wird dabei weiterhin erhalten bleiben. Einzig die nicht schützenswerten Gebäude werden aus der Schutzzone geholt. So weit, so gut.

Bereits im vorangegangenen Bauausschuss wurde diskutiert und analysiert, weshalb auf keine lange Diskussion in der Sitzung ausgegangen werden konnte. Der Bezirksvorsteher beraumte die Sitzung für etwa 30 Minuten an, was ihn dazu verleitete nach Alternativen zu dem bisherigen Ausweichquartier der „SimCity“, zu suchen, da deren Kosten für eine halbe Stunde zu hoch wären. Auch hier ist noch kein Fehler zu erkennen, der kommt jetzt.

Als Ausweichlocation wurde die Kirche am Enkplatz auserkoren. Wer, wem, welches Gebäude angeboten hat, werden wir in einer Anfrage zur nächsten Sitzung in Erfahrung bringen, bisher wissen wir nur, dass der Pfarrer der Kirche die Kirche kostenlos zur Verfügung stellte. Warum ist das ein Problem?

Nationalrat im Stephansdom?

Eine Kirche ist ein religiöses Gebäude und Religion darf mit Politik nichts zu tun haben! Um zu erreichen, dass Staat und Kirche getrennt sind, ließen Menschen ihr Leben. Fast noch schockierender als die Tatsache, dass es einem politischen Gremium in den Sinn kommt in einer religiösen Einrichtung zu tagen (man stelle sich vor, der Nationalrat versammelt sich zu einer Sitzung im Stephansdom oder in einer Moschee – der Aufschrei wäre so laut, dass er bis in den Vatikan zu hören wäre) ist der Fakt, dass es scheinbar keinen Gegenwind gibt, nicht hinterfragt wird und die von uns geäußerte Kritik belächelt wird. Es ist egal ob Nationalrat, Gemeinderat oder Bezirksvertretung und egal ob Kirche, Moschee oder Tempel. Das eine hat mit dem anderen nichts zu schaffen.

Auch die Antwort des Bezirksvorstehers auf die Kritik war an der Thematik vorbei: "Als das Haus am Enkplatz abbrannte, war die Kirche gut genug zu helfen.“

Für uns ist die Sache noch nicht zu Ende. Wenn das Verständnis von Politik in Richtung Religion abdriftet, darf nicht darüber hinweggesehen werden, nur weil eine Sitzung „eh nur kurz dauert“ oder der Kirchenraum günstiger ist. Wäre noch schöner, wenn der Bezirk auch noch dafür gezahlt hätte, um in der Kirche tagen zu dürfen.