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Brave Mädchen kommen in den Himmel, freche überall hin. Happy Girls‘ Day!

Heute ist Girls‘ Day oder auch Töchtertag. Diese US-amerikanische Erfindung, die 2001 zu uns nach Österreich herübergeschwappt ist, ist eine tolle Sache: Mädchen können durch Besuche und Aktionen in den Unternehmen und Institutionen in die Berufswelt hineinschnuppern. Der Schwerpunkt liegt hier auf den für Frauen leider noch immer untypischen Berufsfeldern wie Technik und Wissenschaft. Mädchen sollen über das ganze Spektrum der möglichen Karrierewege informiert werden und (weibliche) Vorbilder in Branchen jenseits von Handel, Gesundheits- und Sozialwesen und Gastronomie/Hotellerie kennen lernen.
Ich finde das toll! Das ist einer von vielen Puzzlesteinen, die die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen schließen könnten.
Umgekehrt ist es dazu aber auch wichtig, dass Burschen die Möglichkeiten in Sozial- und Erziehungsberufen eröffnet werden. Dazu müssen die Aktionen im Rahmen des Boys Day, der heuer am 12. November stattfindet, noch ausgeweitet werden. Denn soziale und zwischenmenschliche Fähigkeiten sind bei Burschen genauso vorhanden wie bei Mädchen. Sie müssen sie nur nutzen dürfen. Ich bin immer ganz begeistert, wie toll die wenigen jungen Burschen und Männer, die das tun, mit Kindern umgehen können, mit ihnen spielen und toben. Noch ist es halt leider in manchen Kreisen, insbesondere unter pubertierenden Burschen, uncool, sich zB um kleine Kinder zu kümmern. Hier fehlen ja auch eklatant die Vorbilder. Daher plädiere ich ergänzend für die verstärkte Ansprache von männlichen Quereinsteigern für die Ausbildung zum Kindergartenassistenten und für eine Akademisierung der Kindergartenpädagogikausbildung. Denn wenn man sich nicht schon mit 14, sondern erst mit 18 oder später entscheiden muss, wird dieser Karriereweg sicherlich für mehr (junge) Männer denkbar. Ein sehr sicherer Job, übrigens. Wir brauchen ja viel mehr Betreuer_innen in den Krippen und Kindergärten, um das Betreuungsverhältnis zu verbessern.
Neben der Information über die große Vielfalt an möglichen Berufsfeldern für beide Geschlechter, muss ein weiterer Puzzlestein die geschlechtersensible Erziehung zu Hause, in Krippen, Kindergärten und Schulen sein. Da geht’s gar nicht darum, wer rosa tragen darf und ob jemand lieber mit Autos oder mit Puppen spielt. Es geht darum, sich als Elternteil, Pädagog_in oder Lehrer_in immer wieder selbst zu reflektieren und darauf zu achten, ob man mit Mädchen anders umgeht als mit Buben: Ob man womöglich unbewusst Mädchen zB eher zur Fürsorglichkeit und Buben eher zur Härte anleitet, oder ob und wie man die Talente in „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Bereichen bei Buben und Mädchen unterschiedlich bewertet. Kleine Kinder sind für solche Unterschiede nämlich noch blind. Sie werden aber leider viel zu schnell anerzogen. Auch durch das Vorleben in ihrem Umfeld.
Ich selbst werde mich da auch beobachten. Mein Sohn ist zweieinhalb und bekommt bald eine kleine Schwester. Er freut sich schon wahnsinnig darauf, mit ihr Auto zu spielen. Und die Rolle als großer Bruder wird ihn mit der entsprechenden Einbindung auch daran heranführen, dass auch Buben und Männer fürsorglich sein und sich um Babys kümmern können. Sein Papa lebt ihm das schließlich auch vor. Und die Kleine wird mitkriegen, dass ihre Mama berufstätig ist und Geld nach Hause bringt wie Papa. Und vielleicht wird sie ja zur ersten Generation an Mädchen gehören, die ihre mathematischen Leistungen nicht schlechter einschätzt als die Buben, die dieselben Noten heim bringen… Dann steht der Technikerinnenkarriere nichts mehr im Wege.
An­ge­li­ka Pi­pal-Leix­ner ist Kan­di­da­tin zur Wiener Ge­mein­de­rats­wahl (Lis­ten­platz 9) und Mit­glied im Lan­des­team