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dbz 6/2016: „Großer Bevölkerungszuwachs, mäßige Infrastruktur – was tun?“

Schon in den letzten Jahren ist die Donaustadt überproportional gewachsen. Als „das Stadterweiterungsgebiet“ der Stadt Wien, wächst die Bevölkerungszahl unaufhaltsam weiter. Leider hat der Ausbau der Infrastruktur nicht Schritt gehalten. Mit dem Bau der beiden U-Bahnlinien U1 und U2  hat man schon den richtigen Weg gewählt. Jedoch wäre die U2 zumindest bis zur Stadtgrenze zu verlängern gewesen. Man hätte Park & Ride-Anlagen außerhalb der Wiener Stadtgrenze bauen müssen, damit die Pendler aus dem Umland erst gar nicht mit dem Auto nach Wien kommen. Das würden sie dann tun, wenn es leistungsfähige Öffentliche Verkehrsmittel (Bus/S-Bahn) mit kurzen Taktfrequenzen gäbe. Mit eigenen Sektoren/Gleiskörpern würde man vermeiden, dass sie in den Kolonnen stecken bleiben. Damit wären die Ortsdurchfahrten Essling, Aspern, Hirschstetten und Breitenlee wieder normal belastet. Die Gegenden um die U-Bahnstationen würden nicht mehr ganztags zugeparkt sein.

Auch innerhalb des Bezirks wurden in der Vergangenheit die Hausaufgaben nicht gemacht. Mit der permanenten Stadterweiterung wird es zwingend notwendig, Querverbindungen mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zu schaffen. Nach dem Stadtentwicklungsplan STEP 2025 soll der derzeitige Anteil des motorisierten Individualverkehrs auf 20 Prozent zurückgehen. Anstatt das Geld in effizientere und nachhaltige Verkehrskonzepte zu investieren, leistet sich die Wiener Stadtregierung mit der Stadtstraße Aspern ein regelrechtes Betondenkmal. Anstatt funktionierende Lösungen zu suchen, holt man sich noch mehr Verkehrs- und Umweltbelastung in die Donaustadt. Das ist ein klimapolitischer Rückschritt. Die politischen Verantwortlichen kümmert es scheinbar nicht, dass diese Stadtstraße quer durch ein Luftschadstoff-Sanierungsgebiet führen wird. Die unweigerlich damit verbundenen Steigerungen des KFZ-Verkehrs in der Donaustadt konterkarieren alle Bemühungen zur Energieeffizienz. Es ist schon klar, dass eine zusätzliche normale Straßenverbindung von der Seestadt zur A23 erforderlich ist. In keinem Fall ist es notwendig, dass das eine vierspurige Autobahn sein muss. In Zeiten knapper Budgets und der Rekordverschuldung der Stadt Wien ist es politisch unverantwortlich, ein derartiges Projekt in der Höhe von über 500 Millionen Euro umzusetzen. Diese Summe würde dem Bau von 50 Kilometern umweltfreundlicher Straßenbahnstrecken entsprechen.