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Empowerment statt Zwangsverordnung – Grätzel-Belebung am Beispiel Meidling

26.06.2015 Thomas Brödl

Wir befinden uns im Wandel von industriellen zu kulturbasierten Ökonomien – die Verschränkung von (Kreativ-)Wirtschaft und Kunst&Kultur wird künftig stetig voranschreiten (wie im EU-Programm „creative europe“ ausgeführt).

Vor allem materielle Prozesse (Kunsthandwerk/produzierendes Gewerbe/Fab Labs usw.) sind für die städtische Wertschöpfung entscheidend. Diese „creative commons“ leisten gleichzeitig als Katalysator („Urban Catalysts“) einen Beitrag zur Lebensqualität in der dicht verbauten Stadt (best practice: Garment Center bzw. Urban Manufactoring Alliance New York). Darüber hinaus sehen wir, dass Innovationen immer kleinteiliger von EPUs/KMUs im urbanen Raum vorangetrieben werden – also von jungen Kreativen, die gemeinsame Räume (Kreativcluster, shared spaces) bespielen, innovative Produkte entwickeln und neue Arbeitsplätze schaffen.
So entstehen in gemeinsam genützten Manufakturen und anderen Räumen wie Erdgeschoß-Zonen immer mehr fab labs (3D-Druck, produzierendes Gewerbe, Kunsthandwerk), Repair-Cafes, Mode aus Recycling-Material, Netzkultur-Cluster.

Die Kreativwirtschaft ist in Wien zwar mittlerweile ein stärkerer Wirtschaftsfaktor als der Tourismus mit rund 60.000 Beschäftigten, aber als Kreativstandort ist Wien noch wenig etabliert – ganz im Gegensatz zu Berlin oder Amsterdam. Der Kreativstandort Wien sollte aus unserer Sicht nicht (wie bisher) durch den Ausbau von Wirtschaftsförderungen vorangetrieben werden, sondern vielmehr durch den Abbau bürokratischer Hürden und Einstiegsschwellen sowie durch die Schaffung eines unterstützenden Umfelds. Die Kreativen benötigen mehr Infrastruktur mit geringen Einstiegshürden, um selbsttragende Ökonomien nachhaltig entwickeln zu können, anstatt von Förderungen abhängig zu sein, die marktverzerrend wirken und damit ungleiche Voraussetzungen schaffen – von der Transparenz der Vergabe in Wien ganz abgesehen. Wir möchten Empowerment und Selbstverantwortung durch den Abbau der Bürokratie und durch eine kooperative Stadtverwaltung stärken.

Denn best practice Projekte wie die Belebung des Meidlinger Marktes oder die Etablierung der „Werkstadt Meidling“ entstehen weniger durch eine Initiative der Stadt, als durch aktive Bürgerinitiativen und eine engagierte Zivilgesellschaft – in diesem Fall konkret durch Vereine wie „Wir sind 12“ und „Purple Sheep“ und private Unterstützer_innen. Die Rolle der Stadt sollte hier mehr durch ein Community Management (GB*) und eine Service Plattform wahrgenommen werden. Daher ist eine Zwischennutzungsagentur wie im rot-grünen Regierungsübereinkommen festgelegt bereits mehr als überfällig und sollte um eine Online-Plattform für die Einbindung von Bürgerinitiativen und Kreativstandorte erweitert werden. Auch Gemeinwohlprojekte wie Social Streets, Urban Gardening, Grätzelfeste steigern das Sozialkapital der Bürger_innen und wirken positiv auf die Lebensqualität der Stadt. Wie internationale Projekte zeigen, entwickelt sich die moderne Stadt am besten, wenn die Verwaltung nichts vorgibt oder anordnet, sondern eine freie Entwicklung unter Einbindung der Bürger_innen ermöglicht (vgl. Kreativquartier München, Kreativgesellschaft Hamburg, Schieblock Rotterdam).

Wien bzw. Meidling dort hinzubringen sehen wir mitunter als unseren Auftrag an.

MMag. Thomas Brödl, MBA ist NEOS-Kandidat zur Bezirksvertretung Meidling und Programmkoordinator sowie Themengruppen-Leiter für Kunst&Kultur bei NEOS Wien.