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Flächenbrand an Wiener Pflichtschulen

schule

Sehr geehrte Frau Stadträtin Frauenberger,

wie ich dem heutigen Artikel aus dem Kurier entnehme, wollen Sie sich vor Ostern nicht mehr zu den aktuellen Misständen an Wiener Schulen äußern. Dies ist inakzeptabel angesichts der dramatischen Situation und der zehntausenden betroffenen Lehrern, Schülern und Eltern.

Mich erreichen immer mehr Zuschriften von überforderten Lehrern und auch medial wird das Thema immer brisanter. Der Kurier berichtete diese Woche beispielsweise über die Herausforderungen der Neuen Mittelschule Gasagasse, in der 98% der Schüler eine nicht deutsche Muttersprache haben. Die Direktorin sprach Klartext und befürchtet, dass ein Drittel der Schüler keine Perspektive hätte. Sie spricht von einer verlorenen Generation, sofern nicht schnell etwas unternommen wird.  Anstatt die Ehrlickeit zu würdigen und gemeinsam Lösungen zu suchen, wurde der Direktorin vom Bildungsministerium gleich ein Maulkorb verpasst. Wo bleibt hier die Reaktion von Ihnen? Es ist nicht zu tolerieren, dass solch ein Weckruf einfach totgeschwiegen wird!

Das Totschweigen hat allerdings System. Bereits im Jänner haben die Wiener Pflichtschullehrer einen bisher unbeantworteten offenen Brief formuliert, in dem die Überforderung auf drastische Weise aufgezeigt wird. Es gibt kaum Unterstützung für traumatisierte Flüchtlingskinder, Übersetzer sind nicht vorhanden und Psychologen absolute Mangelware. Insbesondere an Wiener Pflichtschulen ist der zusätzliche Betreuungsbedarf sehr groß. Wenn daher nicht mehr Geld für individuelle Betreuung in die Hand genommen wird, dann bleibt eine ganze Generation an Schülern auf der Strecke. Warum aber werden die bewährten Integrationsklassen in Wien abgebaut, obwohl diese genau jetzt eine wichtige Funktion hätten? Warum wurde die bundesweite Kürzung der extra Lehrerstunden an den neuen Mittelschulen nicht stärker kritisiert? Warum lässt man es sich gefallen, dass noch kein Cent der bereits im September 2015 für Integrationsmaßnahmen versprochenen 75 Millionen Euro an den Wiener Schulen angekommen ist?

Die Wiener Pflichtschulen stoßen an ihre Grenzen. Durch den starken Zuzug nach Wien werden die Klassen immer heterogener und die Sprachbarrieren größer. Verschärft wird die Situation durch die aktuelle Flüchtlingskrise. Es sind bereits über 2000 Flüchtlingskinder an Wiener Schulen, doch die Klassen sind großteils voll und den Schulen wurden kaum zusätzliche Mittel für die zeitintensive Betreuung zur Verfügung gestellt. Besonders problematisch ist, dass für die Zuteilung von Lehrerdienstposten an Schulen lediglich der Schülerstand zum Stichtag 1. Oktober ausschlaggebend ist. Der massive Zuzug unterm Jahr wird bei den Wiener Schulen also nicht bedacht. Was haben Sie also vor, um diesen Missstand zu beheben?

Ich fordere Sie hier auf endlich zu handeln. Wien darf hier nicht länger auf den Bund warten, sondern muss schnellstmöglich aktiv werden. Die im Koalitionspakt versprochenen 100 zusätzlichen Personen für psychosoziale Betreuung müssen sofort geschaffen werden und die 1000 zusätzlichen Lehrer müssen schnellstmöglich eingestellt werden. Darüber hinaus brauchen wir autonome, mündige Schulen, die flexibel auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen können.

Denn wenn wir nicht jetzt handeln, dann sind die Pflichtschulen eine tickende Zeitbombe, die auch den sozialen Zusammenhalt gefährden werden.

Mit freundlichen Grüßen