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Flüchtlinge in Währing: Integration durch Bildung – eine Erfolgsgeschichte

29.08.2016 18., Währing

Christian Flury, Blog-Redaktion, NEOS Währing

Willkommen in Währing

Im Herbst hatte unser stellvertretender NEOS-Bezirkskoordinator Mortiz Zeilinger vom von der Johanniter-Flüchtlingshilfe betriebenen Notquartier im ehemaligen Publizistikinstitut in der Schopenhauerstraße erfahren. Nun wurde dieses aufgelassen – Grund genug, über ein Projekt Bilanz zu ziehen, das durchaus als vorbildlich im Bereich der Flüchtlingsbetreuung und des harmonischen Miteinanders von Neuankömmlingen und Alteingesessenen gelten darf.

Moritz hörte sich laufend völlig unvoreingenommen in der Nachbarschaft um, um sich ein Bild davon zu machen, wie die Bevölkerung auf dieses Flüchtlingsheim reagiert und ob sie bereit wäre zu helfen. Die Reaktionen waren durchgehend neutral bis positiv, viele hatten die Flüchtlingsunterkunft nicht einmal bemerkt.

FederpenaleMoritz setzte sich mit den Johannitern in Verbindung und erkundigte sich, was gebraucht werde: In erster Linie Schulsachen. Was war hier naheliegender, als dass wir als die Bildungspartei eine Spendenaktion organisierten, um den Flüchtlingskindern Schultaschen, Federpenale, Stifte, Radiergummis, Hefte usw. zu verschaffen?

Bevor wir hier in eine falsche Sozialromantik verfallen: Die Unterkunft in der Schopenhauerstraße war aufgrund der räumlichen Gegebenheiten besonders für Familien geeignet. Großunterkünfte mit Hunderten kriegstraumatisierten jungen Männern bringen zweifellos andere und schwierigere Herausforderungen mit sich und wecken bei der Bevölkerung berechtigte Ängste. Doch sollten wir uns nicht lieber an Positivbeispielen, in diesem Fall also an den Best Practices der Johanniter, orientieren, als uns über die in den Medien hochgespielten Negativbeispiele zu echauffieren?

Wir NEOS haben schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass das Flüchtlingsthema Wien, Österreich und ganz Europa vor Herausforderungen stellen wird. Die etablierte classe politique hat in dieser Zeit in dieser Frage hingegen durch Untätigkeit und Wegschauen geglänzt – und tat dann so, als sei unversehens ein plötzlicher Notstand ausgebrochen (den sie in Wahrheit durch ihre eigene Kurzsichtigkeit verursacht hatte), um sich dann medienwirksam als Feuerwehr aufzuspielen.

Da fragt man sich doch ernsthaft, ob bei den politischen Mitbewerbern eigentlich irgendjemand Zeitung liest! Der Bürgerkrieg in Syrien dauert schon Jahre an, das ist kein Geheimnis; es ist keine Lösung in Sicht, es war klar, dass viele Menschen für ihre Kinder und sich selbst woanders ein besseres Leben suchen werden. Die aktuelle Situation wäre vorhersehbar gewesen und Lösungsansätze umsetzbar – seit Jahren.

Doch von den blauäugigsten „No-Borders“-Aktivist_innen bis hin zu den blauaffinsten Beschwörer_innen einer „islamischen Invasion“ tun alle so, als sei dieses Thema erst vor gut einem Jahr urplötzlich aktuell geworden – und lenken damit vom jahrelangen Managementversagen der Politik ab.

SchultaschenMeine Schwester half im Herbst sehr viel am Westbahnhof mit. Was sie am meisten berührte – wenn sie einen Vater mit seiner kleinen Tochter bewirtete, musste sie sich denken: Das könnte mein großer Bruder sein. Was können sie dafür, dass sie in einen Bürgerkrieg hineingeraten sind, während meine Nichte Selina und mein Bruder ins beschauliche Gersthof hineingeboren sind?

Die Thematik wird uns noch lange begleiten und ist ohne Zweifel auch mit Schwierigkeiten verbunden – doch wenn etwas so gut funktioniert wie das Flüchtlingsheim der Johanniter in der Schopenhauerstraße, dann kann man viel daraus lernen, was das gedeihliche Zusammenleben von Neuankömmlingen und Alteingesessenen fördert: Kompetente Sozialarbeit, Bildung, Traumabewältigung, Einbindung der Bürgerinnen und Bürger … Es gibt genug Dinge, die in der Migrationspolitik nicht funktionieren – doch das hat hervorragend funktioniert.

Keine populistischen Parolen, keine ideologischen Grabenkämpfe, kein medienwirksamer Aktionismus bringen uns weiter. Es sind die „stillen Schaffer“ in den einzelnen Communities, die Sozialarbeiter_innen und Sprachlehrer_innen, die Unterkunftgeber_innen und Spender_innen – und insbesondere die Anrainer_innen und die lokale Zivilgesellschaft –, die aus einer Krise eine Chance machen. Wer hier auch sein Scherflein beitragen möchte, sei auf die Spendenseite der Johanniter-Flüchtlingshilfe auf Facebook verwiesen, wo laufend zu erfahren ist, was gerade gebraucht wird. Die Unterkunft in Währing ist zwar aufgelassen, aber viele andere ebenso vorbildlich geführte Projekte brauchen Ihre Unterstützung.

In der Flüchtlingsfrage ist es nach wie vor so: Die Politik versagt, die Zivilgesellschaft liefert. Wir NEOS verstehen uns als Fürsprecher der Zivilgesellschaft.

Die Erfolgsgeschichte des Flüchtlingsnotquartiers in Währing, das übrigens knapp 200 Menschen beherbergte, war das Ergebnis des unermüdlichen Engagements der Johanniter und ihrer meist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Akzeptanz durch die Anrainerinnen und Anrainer, der Integrationsbereitschaft unserer neuen Bezirksbewohnerinnen und -bewohner und der menschlichen Grundeinstellung der Währinger Bevölkerung. Ein großes Dankeschön an diese alle!

Was soll Währing tun, um auch weiterhin seinen Teil der Verantwortung in dieser Frage zu schultern?

  • Beherbergen Sie privat Schutzsuchende oder leben Sie selbst als Flüchtling in Währing? Was für Anliegen hätten Sie in diesem Zusammenhang auf Bezirksebene?
  • Fühlen Sie sich in Ihrem persönlichen Alltag vielmehr durch konkrete Aspekte der Flüchtlingssituation beeinträchtigt oder gar verängstigt?
  • Oder sind Sie etwa beruflich oder ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung tätig? Was wünschen Sie sich von der Währinger Bezirkspolitik im Interesse eines erfolgreichen Miteinanders und einer gelungenen Integration?

Wir freuen uns auf Ihre Inputs und Anliegen. Äußern Sie sich unten in den Kommentaren, schicken Sie uns ein E-Mail oder sprechen Sie uns bei unseren nächsten Straßenaktionen persönlich darauf an.

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