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Made in Vi­en­na

Un­se­re Zu­kunfts­chan­cen lie­gen nicht in der Ver­tei­di­gung des Fließ­ban­des. Die Pro­duk­ti­on von Plas­tik­spiel­zeug wer­den wir nicht aus China zu­rück­ho­len; und auch nicht die Pro­duk­ti­on von Smart­pho­nes. Im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb hängt die In­no­va­ti­ons­kraft eines Hoch­lohn­lan­des davon ab, wie stark In­no­va­ti­on und Un­ter­neh­mer­geist be­güns­tigt wer­den. Er­folg­rei­che Wirt­schafts­po­li­tik lässt sich an der Wachs­tums­ge­schwin­dig­keit und An­zahl von Start-Ups ab­le­sen. Es ist an der Zeit, die­ser Ent­wick­lung Rech­nung zu tra­gen.

 

In Wahl­kampf­zei­ten wird von Par­tei­en, Kam­mern und Ge­werk­schaf­ten gerne „um jeden Ar­beits­platz ge­kämpft“. Meis­tens ist damit lei­der nur das Be­wah­ren von Pri­vi­le­gi­en für le­bens­lan­ge Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se in gro­ßen Un­ter­neh­men oder staats­na­hen Be­trie­ben ge­meint. In­no­va­ti­on ent­steht heute in jun­gen Un­ter­neh­men. Die Start-Up-Kul­tur mit ihrer of­fe­nen und fle­xi­blen Struk­tur klei­ner Teams bie­tet am­bi­tio­nier­ten Ta­len­ten den rich­ti­gen Rah­men um In­no­va­tio­nen zu schaf­fen. Jede Kul­tur braucht aber den rich­ti­gen Nähr­bo­den um zu wach­sen. Wenn die­ser für Start-Ups, die ihre Pro­duk­te in kur­zer Zeit zur Markt­rei­fe brin­gen müs­sen, fehlt, wäh­len sie an­de­re Stand­or­te, oder schei­tern. In Ös­ter­reich man­gelt es lei­der noch immer am Ver­ständ­nis für diese neue Wirt­schafts- und Ar­beits­welt, in der die Gren­zen zwi­schen selb­stän­di­ger und un­selb­stän­di­ger Ar­beit längst ver­schwim­men. Glo­ba­li­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung haben die In­no­va­ti­ons­zy­klen der Welt­wirt­schaft ver­kürzt. Durch­schnitt pro­du­ziert keine In­no­va­tio­nen mehr. Nur noch die in­no­va­tivs­ten Ent­wick­lun­gen si­chern neue Be­schäf­ti­gung.

 

Wäh­rend in vie­len eu­ro­päi­schen Län­dern und Städ­ten die Start-up Szene stark am Wach­sen ist, tut sich Ös­ter­reich noch immer schwer mit der Start-Up Szene. Die Kul­tur ist eine an­de­re und das wol­len viele nicht an­er­ken­nen.  Die Struk­tu­ren müs­sen sich ver­än­dern. Die Gren­zen zwi­schen Selb­stän­dig­keit und Un­selb­stän­dig­keit ver­schwim­men immer mehr. Ins­be­son­de­re in der jet­zi­gen wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on be­nö­ti­gen wir ein frei­set­zen von Fä­hig­kei­ten, Mut und Ideen. Neue Ar­beits­plät­ze ent­ste­hen in Zu­kunft durch neue und in­no­va­ti­ons­ge­trie­be­ne Be­trie­be. Warum nicht auch in Wien? Die Haupt­grün­de lie­gen am Tisch. Schier un­lös­ba­re bü­ro­kra­ti­sche Hür­den, feh­len­de Ser­vice-Men­ta­li­tät aller In­sti­tu­tio­nen, feh­len­de Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten, un­durch­sich­ti­ge Gieß­kan­nen För­de­run­gen und na­tür­lich die enor­me Steu­er­be­las­tung sind nur ex­em­pla­ri­sche Bei­spie­le um In­no­va­ti­on nach­hal­tig zu ver­hin­dern.

 

Neben dem Abbau die­ser Fire­walls sehen wir ins­be­son­de­re in Wien die Chan­ce für In­no­va­ti­on durch Ko­ope­ra­ti­on. Die Zu­kunft Wiens wird unter an­de­rem auch durch die Schaf­fung von „Made in Vi­en­na“ Hubs po­si­tiv be­ein­flusst. Dafür müs­sen zen­trums­na­he Flä­chen­re­ser­ven wie z.B. Nord­west­bahn­hof ent­wi­ckelt und ge­schützt wer­den. Durch die ge­misch­te Flä­chen­nut­zung für Wohn­bau und Ge­wer­be ge­lingt die Schaf­fung at­trak­ti­ver Grät­zel und Quar­tie­re. Grün­der_in­nen und klei­ne­ren Un­ter­neh­men sol­len in der­zeit lehr­ste­hen­den Fa­briks­hal­len be­triebs­über­grei­fend Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den („sha­red pro­duc­tion“). We­sent­lich für die At­trak­ti­vi­tät sind dabei auch die Ver­net­zung mit open sour­ce comm­mu­nities und die Be­reit­stel­lung mo­der­ner Pro­duk­ti­ons­in­fra­struk­tur (3D-Prin­ter, CNC Frä­sen). Dar­über hin­aus wird in die­sen Hubs alle In­for­ma­tio­nen und Hil­fe­stel­lun­gen von der Grün­dung, über Fi­nan­zie­rung und Ver­net­zung bis hin zur Markt­ein­füh­rung durch pro­fes­sio­nel­les un­ab­hä­ni­gi­ges Ma­nage­ment be­r­eti ge­stellt. Fi­nan­ziert wer­den diese Hubs durch eine mas­si­ve Kür­zung der För­de­run­gen der Stadt Wien ge­paart mit der Um­stel­lung auf Gar­ten­schlauch För­de­run­gen.

 

Wal­ter Hat­zen­bich­ler ist Lei­ter der The­men­grup­pe Wirt­schaft in Wien, Re­fe­rent im NEOS Par­la­ments­klub sowie Kan­di­dat für die Wie­ner Be­zirks­ver­tre­tungs- und Ge­mein­de­rats­wah­len.