Studienpräsentation

Die große Wiener Bildungsumfrage

06. March 2020

Die aktuellen Ergebnisse der von Peter Hajek Opinion Strategies durchgeführten Umfrage zeigen einerseits Probleme im Schulalltag auf und bestätigen leider auch das schlechte Image der öffentlichen Wiener Schulen. 

Kaum Vertrauen in öffentliche Schulen

61 % der Befragten gaben an, dass sich die Wiener Schulen in die falsche Richtung entwickeln.

„Dieses Ergebnis war leider auch gewissermaßen vorhersehbar, gerade wenn wir uns die Probleme im Bildungssystem in Wien genauer anschauen. Wir haben in Wien die traurige Bilanz, dass 4 von 10 Kinder nach der Pflichtschule nicht in der Lage sind sinnerfassend zu lesen. Auch im Fach Mathematik werden die Bildungsstandards oft nicht erreicht. Nach neun Jahren Rot-Grün in Wien ist diese Bilanz im Bildungsbereich wirklich verheerend. Die öffentlichen Schulen werden mit ihren Problemen von der Stadtregierung alleine gelassen“, erklärt NEOS Wien Klubobmann Christoph Wiederkehr.

DIE BILDUNGSUMFRAGE ZUM DOWNLOAD

Es sind sowohl die Lehrer_innen, als auch die Eltern und Schüler_innen, die tagtäglich vor großen und sehr belastenden Herausforderungen stehen:

Die Lehrkräfte geben tagtäglich ihr Bestes, scheitern aber häufig an den Rahmenbedingungen der Schulen. Es gibt für sie viel zu wenig Unterstützungspersonal in den Bereichen Schulsozialarbeit, Sprachförderung, Schulpsychologie und der Verwaltung. 72 % der Befragten sind davon überzeugt, dass jede Pflichtschule in Wien einen Schulpsychologen braucht.

Anstatt dem Lehrpersonal zu helfen, wurden bei kritischen Personen in der Vergangenheit immer wieder Maulkörbe verteilt. Erst vor kurzem hat eine Lehrerin gekündigt, weil die Belastung in der Integrationsklasse zu hoch war und sie auch nicht mehr die entsprechende Sicherheit der Kinder gewährleisten konnte.

Die Schüler_innen leiden generell unter Schulangst, jede_r zweite Schüler_in hat Prüfungsangst – wie kürzlich durch die Umfrage eines Nachhilfeinstituts bekannt wurde.

Auch das Thema Mobbing gehört für viele zum Schulalltag. Physische und psychische Gewalt in Schulen war letztes Jahr allgegenwärtig in den Wiener Schlagzeilen.

Auch die Zufriedenheit mit dem Lernstoff der Schüler_innen lässt zu wünschen übrig: 68 % der Befragten sind der Meinung, dass die Schulpläne total veraltet sind. Das was Kinder für die Zukunft tatsächlich brauchen, bleibt völlig auf der Strecke.

Viele Eltern sind besorgt und vertrauen dem öffentlichen Schulsystem nicht mehr und stecken – wenn sie es sich leisten können – ihre Kinder in Privatschulen. In Wien sind es mittlerweile schon 16,2 % der Schüler_innen, die eine private Volksschule besuchen (Vergleich Ö: 6 %). Die Umfrage hat ergeben, dass 67 % der Befragten meinen, wer für seine Kinder derzeit die bestmögliche Bildung haben will, müsse sie in eine Privatschule schicken.

Auch im Bereich private Nachhilfe greifen die Eltern in Wien österreichweit am häufigsten in die Tasche, damit ihre Kinder den nötigen Lehrstoff bewältigen. Ohne die Mitarbeit der Eltern würden viele Kinder die Schule nicht schaffen, das geben auch 61 % der Befragten an.

Die Bildungspolitik ist leider vielfach zu einem politischen Stellungskrieg geworden, meinen 74 % der Befragten. Die ideologischen Vorstellungen der Parteien stehen derzeit im Vordergrund und nicht die Ausbildung der Kinder, wie es eigentlich sein sollte. Die Parteipolitik macht auch vor den Schulen selbst nicht Halt, wie es unter anderem Fr. Wiesinger in den letzten Monaten anschaulich thematisiert hat.

„All diese Zahlen zeigen eines ganz deutlich: wir haben einen Bildungsnotstand in Wien und zwar an allen Ecken und Enden. Die rot-grüne Stadtregierung muss hier endlich in die Gänge kommen. Dass mit einer Bildungsoffensive in den öffentlichen Pflichtschulen vieles möglich ist, hat London bereits bewiesen. Wien sollte hier schleunigst nachziehen. Aber was macht die Stadt Wien stattdessen? Sie fädelt im Hinterzimmer einen teuren und völlig sinnlosen Deal mit der EVN ein. Sie schmeißt also auf der einen Seite 870 Millionen Euro Steuergeld für ein unnützes Investment raus, und hat dann für die Wiener Schulen zu wenig Geld, um sie aus ihrem Dilemma rauszuholen. Das ist verantwortungslose Politik par excellence!“, ärgert sich Wiederkehr.

„Am meisten unter den Zuständen in Wien leiden letztlich die Kinder, denn es ist ihre Zukunft, die geraubt wird. Wir dürfen sie nicht chancenlos zurücklassen. Jedes Kind hat das Recht auf gute Bildung, sie ist schließlich der Schlüssel zur persönlichen Entfaltung“, so der Klubobmann abschließend.