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Red Mit: Was kommt nach dem Auto?

Was kommt nach dem Auto? Mit dieser Frage hat sich unser Podium im Rahmen unserer „Red Mit“ Diskussionsreihe vergangenen Montag Abend intensiv befasst.

 

Staus und die damit verbundenen Probleme wie Lärm, Staub und schlechte Luft haben in einer Stadt nichts zu suchen und vermindern die Lebensqualität aller Bewohner_innen, dennoch dominieren sie den Verkehrsalltag fast jeder Großstadt. Vielerorts versucht die Politik dieser Problematik Herr zu werden, indem sie massive Förderungen für Elektroautos ausschüttet oder großangelegte Infrastrukturprojekte wie komplexe Unter- und Überführungen finanziert.

 

Harald Jahn, seinerseits Verkehrsexperte und Journalist, begegnet dieser Problemstellung mit eigentlich ganz einfachen Konzepten, die er in einem Impulsvortrag näher erklärte. Seit Jahrzehnten werden uns aufregende und innovative Visionen für die Mobilität von morgen präsentiert. Waren es früher Züge mit Raketenantrieb, unterwegs in Röhren, ist es heute der Hyperloop. Durchgesetzt hat sich bis jetzt nichts, auch dass die Elektromobilität nun komme, hören wir schon seit langem. Für eine Stadt sollte der Fokus vielmeher sein, Autos, vor allem parkende, zum Großteil aus dem Bild der Stadt zu entfernen, oder noch besser, überflüssig zu machen. Durch fortschrittliche Stadtplanung können Distanzen, die jeden Tag von den Menschen zurückgelegt werden müssen, verringert werden. Die Stadt der kurzen Wege scheint das einzige taugliche Konzept zu sein, mit zunehmenden Bevölkerungszahlen und gleichzeitig knapper werdendem Platz ein funktionierendes System zu gewährleisten.

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Hierbei kommt der Gestaltung des öffentlichen Raums und der Verkehrsmittel selbst eine zentrale Rolle zu. Anhand von best-practice Beispielen und tollen Bildern aus vielen Städten Frankreichs wie Tours, Marseille und Nizza zeigte Harald Jahn, wie diese es geschafft haben den öffentlichen Raum zu attraktiveren und gleichzeitig den Autoverkehr stark zu reduzieren. Plätze, die vormals zugeparkt waren, werden den Bewohner_innen als Aufenthaltsort zurückgegeben, vormals, natürliche Gegebenheiten trennende, mehrspurige Straßen einfach rückgebaut. Wenn wir den Platz für den Autoverkehr reduzieren ist es ein Irrglaube, anderswo den Stau zu fördern. Menschen sind anpassungsfähig und wählen immer den bequemsten Weg. Somit ist es nur logisch, dass im Falle von Straßenrückbauten sehr gerne auf den öffentlichen Verkehr ausgewichen wird und somit die Verkehrsbelastung in der Stadt nachhaltig sinkt. Ohne, dass jemand auf Mobilität verzichten muss, oder eingeschränkt wäre.

In Frankreich wurden über internationale Ausschreibungen Stararchitekten und Künstler mit der Gestaltung von Plätzen, Straßen und auch Straßenbahnen beauftragt. Anrainer_innen und interessierte Bürger_innen werden intensiv eingebunden und informiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und findet enormen Zuspruch. Denn die “Schönheit” ist neben der Effizienz wesentlich. Die Straßenbahn als Lifestyleprodukt. Denn es macht einen Unterschied, ob ich eine alte, nicht ganz saubere, nicht barrierefreie Straßenbahn benützen muss, oder ich mir bei jedem Einsteigen denke: Wie cool ist das denn?

 

Wien hinkt diesem Trend erheblich hinterher. Noch immer wird massiv in den Straßenbau investiert und auf Geschwindigkeit gesetzt, einzelne Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sind nur kosmetische Korrekturen und werden lieblos und teils unüberlegt durchgeführt, immer haben sie auch eine ideologische Debatte zur Folge. Zahlreiche Beispiele aus jüngster Zeit (z.B. Praterstern, Hauptbahnhof) zeigen, dass wir uns bezüglich Schönheit und Attraktivität in der Stadtplanung radikal weiterentwickeln müssen.

 

Die Wiener NEOS Gemeinderäte Stefan Gara und Bettina Emmerling sehen daher für Wien raschen Handlungsbedarf. Gerade jetzt, da Wien in Rekordgeschwindigkeit wächst, müssen rechtzeitig passende Konzepte und Pläne vorgelegt werden. Erkennt man Mängel der Planung erst im Nachhinein, kostet es ein Vielfaches nachzujustieren. In den meisten Fällen ist der Zug abgefahren. “Es sei leicht, sich als vermeintlich lebenswerteste Stadt der Welt zurückzulehnen, das reiche aber nicht aus, diese Position auch weiterhin zu halten”, so Gara.

“Es geht um das Bohren harter Bretter und die Überwindung der ideologischen Grenzen” bezeichnet Emmerling ihren Handlungsauftrag in der Politik. “Man müsse den Menschen besser zeigen, was alles möglich wäre, – wie unsere Stadt aussehen könnte, – das würde jedem_r gefallen!”

 

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