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Shared Spaces: Zwischen- und Mehrfachnutzung als Motor für Gründer_innen und Katalysator in der wachsenden Stadt

23.02.2015 Thomas Brödl

Erdgeschoss-Zonen sind die Visitenkarte eines Grätzels und ein Indikator für Vielfalt und Lebensqualität. Leerstehende Lokale führen zu einer Verödung ganzer Stadtteile – denn sie sind nicht nur Gewerbefläche, sondern vielmehr urbaner Lebensraum, der in der immer dichter verbauten Stadt von steigender Bedeutung für die Menschen ist. Vor allem als Orte der Begegnung und des Austausches wirken sie wie ein Katalysator der beschleunigten Stadt und tragen zu einem gesteigertem Lebens- und Zusammengehörigkeitsgefühl bei. Darüber hinaus sind sie in der wachsenden Stadt eine wertvolle Ressource, die ungenutzt bleibt und v.a. von Jungunternehmer_innen dringend gebraucht wird. Die Unterstützung der lokalen Wirtschaft kommt wiederrum dem gesamten Stadtteil zu Gute.

 

Lokale Wirtschaft, Gründer_innen und EPUs

In anderen Städten sehen wir eine breite Nutzung von EG-Zonen wie durch Start-Ups/EPUs, co-working-spaces, Kombination von Wohn- und Arbeitsformen, Kreativcluster (creative commons) und ethnische Ökonomien.

In Hinblick auf den Wandel zu neuen, kleinteiligen und kulturbasierten Ökonomien, die Spannung am Arbeitsmarkt und das Bevölkerungswachstum braucht es ein Gesamtkonzept für die Zwischennutzung von leerstehenden Räumen bzw. Mehrfachnutzung von bestehenden, schlecht ausgelasteten bzw. leerstehenden, öffentlichen Räumen in Wien. Dies stärkt v.a. Gründer_innen und EPUs durch eine Fixkosten-Degression durch den Wegfall (Zwischennutzung) oder Aufteilung (Mehrfachnutzung bzw. Kombination von Wohnen und Arbeiten) der Miete.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt sollte hierbei als reine Raumförderung für die bauliche Infrastruktur einer marktverzerrenden Personenförderung vorgezogen werden. Die freie Gestaltung von Ladenöffnungszeiten für Unternehmen mit Geschäftsflächen bis 200m2 und eine Lockerung der arbeits-/gewerbe-/veranstaltungsrechtlichen Auflagen im Kontext der Zwischennutzung wären weitere wichtige Impulse.

Gelungenes Beispiel für Mehrfachnutzung: Co-Space: http://www.co-space.net/
Gelungenes Beispiel für Mehrfachnutzung: Co-Space: http://www.co-space.net/

 

Bürger_innen-Beteiligung und Stadterneuerung

Ganz zentral für eine lebendige Entwicklung des urbanen Lebensraums sind die Einbeziehung der Bürger_innen und eine Politik des „Empowerments“.
Die moderne Stadtentwicklung wird nicht verordnet, sondern entsteht – und dazu braucht es offene, transparente Strukturen, die diese Beteiligung ermöglichen.

Denn so vielfältig wie die Menschen und ihre Bedürfnisse ist auch die mögliche Nutzung der Erdgeschoss-Zonen und bietet das Angebot, das im Grätzel gefragt ist:

– Kreativwirtschaft: Start-up-Hubs, Kreativcluster, Fab Labs/produzierendes Gewerbe

– Kultur: Kulturcafés, Galerien, Mode (Popups), Kunsthandwerk und bildende Kunst

– Gesundheit: Gesundheitsprävention (Yoga, Gymnastik, Rückenschule etc.)

– Bildung/Wissenschaft: Kurse, Nachhilfe und wissenschaftliche Vorträge/Diskussionen

– Jugend/Kinder: mehr Kinderbetreuung und Angebote für Jugendlichen v.a. im Winter

– Diversität: interkulturelle Aktivitäten wie Kochen, Musik, Literatur, Sprachtandems

– Wohnen: Koppelung von Wohnen und Arbeit (sofern es die Widmung zulässt)

 

Agentur für Zwischen- und Mehrfachnutzung

Wie im rot-grünen Regierungsübereinkommen bereits 2010 in Aussicht gestellt, ist eine städtische Agentur für Zwischen- und Mehrfachnutzung mehr als überfällig (wie beispielsweise die ZwischenZeitZentrale in deutschen Städten).

Neben der Koordination von Angebot und Nachfrage ist vor allem die Abstimmung der unterschiedlichen Stakeholder in der Praxis der häufigste Stolperstein. Hier sollte die GB* mehr Kompetenz und Verantwortlichkeit als dezentrale Anlaufstelle erhalten.

Außerdem ist die proaktive Aufklärung von Bauträger_innen und Hauseigentümer_innen über die Chancen und Rahmenbedingungen des Prekariums von zentraler Bedeutung. Auch die Vernetzung mit Magistratsabteilungen (allen voran MA7 und MA18), Wirtschaftskammer Wien (Einkaufsstraßen, leere Lokale, Nachfolgebörse), GB*, Wirtschaftsagentur Wien und den Bezirken sollte über diese Agentur verbessert werden. In diesem Zusammenhang könnte auch ein Online-Portal (mit interaktiver Wien-Karte) geschaffen werden, um der wachsenden Dynamik von Angebot und Nachfrage Rechnung zu tragen.

 

 

Thomas Brödl ist Leiter der Themengruppe Kunst und Kultur.