Nach Vorfällen in Favoriten: Neue Schwerpunkte in der Jugend- und Integrationsarbeit

22. Januar 2021

Die Vorfälle in Favoriten zuletzt zu Silvester haben Konsequenzen: Integrationsstadtrat Christoph Wiederkehr hat die Schwerpunkte der Integrations- und Jugendarbeit 2021 vorgestellt.

Christoph Wiederkehr: „Wir müssen schneller als die Dschihadisten sein!“

Integrations-Stadtrat Christoph Wiederkehr hat in dieser Woche sowohl das Treffen des Regionalforums Favoriten als auch des Netzwerks Demokratiekultur und Prävention initiiert. Anlass waren die Vorkommnisse in Favoriten, zuletzt in der Silvesternacht.

„Ausschreitungen, Gewalt und Vandalismus sind einfach nicht zu tolerieren. Die Polizei muss für die Sicherheit und die Einhaltung der Gesetze sorgen. Hier ist mein dringender Appell an Innenminister Nehammer, die Zahl der Polizist_innen in Wien und insbesondere in Favoriten zu erhöhen. Im zehnten Bezirk müssen wir von 300 auf 500 Planstellen erhöhen. Zudem wäre ein funktionierender Geheimdienst bei Verdacht auf dschihadistische Organisationen auch hilfreich“, fordert Wiederkehr. Der Stadtrat setzt aber auch im eigenen Wirkungsbereich Maßnahmen: „Langfristig werden wir nur dann Erfolg im Integrationsbereich haben, wenn wir jungen Leuten Chancen und Perspektiven über gute Bildung und damit eine gute Karriere ermöglichen. Zudem werden wir im Integrationsbereich 2021 einen besonderen Fokus auf Favoriten legen.“

Ein umfassendes Bild über die derzeit laufenden Initiativen und die Herausforderungen gerade in Zeiten der Pandemie lieferten diese Woche das Regionalforum Favoriten und das Netzwerk Demokratiekultur und Prävention, so Wiens Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs: „Die Vernetzung der verschiedenen Initiativen, Organisationen, Magistratsabteilungen der Stadt und der Polizei ist besonders wichtig, um gemeinsam auf dem neuesten Stand zu sein. Besonders die Projekte an den Schulen und die Jugendarbeit vor Ort sind durch die Corona-Krise schwer beeinträchtigt worden. Wir sind aber startklar für einen neuen Anlauf, sobald dies wieder möglich wird.“

Schwerpunkte und Maßnahmen 2021

Integrations-Stadtrat Wiederkehr kündigt für 2021 einen Fokus auf Favoriten an, der sich in vier konkreten Maßnahmen widerspiegelt:

·       Sozialarbeiter_innen an den Schulen werden in Favoriten verdoppelt: Zu den derzeit fünf Schulsozialarbeiter_innen kommen weitere fünf Stellen hinzu.

·       Nacht-Streetwork in Favoriten: Ab Frühjahr werden regelmäßig Streetworker in der Nacht in Favoriten tätig sein, um Ansprechpartner für Jugendliche und junge Erwachsene zu sein.

·       Schwerpunkt der überregionalen Streetworker in Favoriten: Fair Play-Team setzt verstärkt Streetworker im zehnten Bezirk ein.

·       Neustart und Ausbau bestehender, guter Projekte: Z.B.: Respekt: gemeinsam stärker – ein umfassendes Präventionsprojekt, das an Wiener Mittelschulen für Lehrkräfte, Eltern und Schüler_innen angeboten und künftig noch ausgebaut werden soll.

„Wir müssen dafür sorgen, dass wir mit unseren Angeboten schneller sind als die Dschihadisten!“ so Christoph Wiederkehr. „Deshalb gilt es, vor Ort präsent zu sein, den Jugendlichen Angebote zu machen und gezielt für sie da zu sein. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten, dass diese Maßnahmen sehr rasch in die Wege geleitet und umgesetzt werden.“

Maßgeblich an den nächsten Schritten beteiligt ist auch der Verein Wiener Jugendzentren. Geschäftsführerin Ilkim Erdost: „Die Arbeit der Wiener Jugendzentren ist Präventionsarbeit auf vielen Ebenen. In Jugendzentren, im öffentlichen Raum und online kommen viele verschiedenen Jugendliche zusammen. Die Jugendarbeiter_innen haben ein offenes Ohr für die Anliegen der Jugendlichen, eröffnen ihnen neue Perspektiven und ermöglichen positive Gemeinschaftserlebnisse und Zusammenhalt. Offene Jugendarbeit stabilisiert junge Menschen in Krisensituationen, erweitert ihre Handlungsoptionen und Möglichkeiten der Krisenbewältigung. Im Jugendzentrum gilt das Prinzip der kritischen Parteilichkeit: Die Jugendarbeiter_innen akzeptieren die Jugendlichen so wie sie sind, es findet aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit Verhalten und Einschätzungen statt. Es kommen Themen zur Sprache, die zu Hause oder in der Schule mitunter nicht thematisiert werden können. Das ist eine wichtige Ressource für Jugendliche! In all diesen Facetten wirkt Jugendarbeit präventiv, unterstützt junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung und fördert ihr Selbstwertgefühl. An rund 35 Standorten erreichen wir jährlich rund 55.000 junge Menschen.“