Direkt zum Inhalt

* Pflichtfelder

Tu was! Spenden NEOS braucht dich Mitglied werden
« Zurück zur Übersicht

Wie viel Religion verträgt ein Kindergarten?

Die von Sebastian Kurz in Auftrag gegebene Studie von Ednan Aslan erhitzt die Gemüter in Wien, obwohl diese noch wenig fortgeschritten ist und nur nur wenige Kindergärten an der Befragung teilgenommen haben. Dennoch wird der Ruf bereits laut, hart gegen islamische Kindergärten vorzugehen. Der Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac, dagegen bezeichnet die Studie als undemokratisch und auch unmenschlich, weil sie sich explizit gegen islamische Kindergärten richtet.

Umso wichtiger ist angesichts der aufgehitzen Stimmung die richtigen Schlüsse zu ziehen, die ich allerdings in der Debatte noch vermisse. Zentraler Lösungsansatz muss eine Qualitätsoffensive und strengere Richtlinien für alle Kindergärten und Kindergruppen – unabhängig von der Konfession – sein.

Es kann nicht sein, dass die Stadt Wien nicht weiß, wie viele religiös geführte Kindergärten bzw. Kindergruppen es in der Stadt gibt und ob in einigen auch extremistisches Gedankengut verbreitet wird.Der Projektbericht ist nur ein Anlassfall, denn eigentlich ist die Stadt gefordert, prinzipiell mehr für die Qualitätssicherung in der Elementarpädagogik zu unternehmen. Es braucht einheitliche pädagogische Qualitätskriterien, an die sich alle Einrichtungen halten müssen.

Beim Ausbau der Kinderbetreuung in Wien geht Quantität leider noch immer vor Qualität. Damit verspielen wir nicht nur die Chancen unserer Kinder auf Bildung, sondern auch jede Menge Fördergelder. Förderungen an private Initiativen werden zu leichtfertig und ohne regelmäßige Kontrollen vergeben. Vor allem Kindergruppen, die auf private Initiativen entstehen und deren Betreiber eine geringere pädagogische Qualifikation nachweisen müssen, sollten strenger geprüft werden

Meines Erachtens haben wir vor allem ein Qualitätsproblem bei der Betreuung von Kindergruppen. Für diese muss lediglich 90 Stunden pädagogische Ausbildung nachgewiesen werden, die auch in fragwürdigen privaten Instituten absolviert werden kann. Neben einer Professionalisierung der Ausbildung, benötigen wir verpflichtende Fortbildungen im Bereich Interkulturalität und Inklusion. Vor allem eine umfassende Sprachentwicklungsförderung für alle Kinder muss zur Regel werden und bestehende Sprachförderungsmaßnahmen müssen besser evaluiert werden.

Grundsätzlich müssen wir uns als Gesellschaft auch die Frage stellen, ob und wie Religion überhaupt in Kindergärten praktiziert werden soll. Für mich persönlich ist etwa nicht zu tolerieren, dass Kinder Koran-Suren auswendig lernen müssen, wie dies vom Präsidenten der islamischen Glaubensgemeinschaft als „normal“ beurteilt wird. In dieser Diskussion können wir uns viel von Frankreich und Deutschland abschauen, wo auch für alle konfessionellen Kindergärten eine weltanschauliche Neutralität verpflichtend ist. Ich würde mir zu dieser Frage einen Runden Tisch aller Parteien in Wien wünschen, um gemeinsame Richtlinien auszuarbeiten.