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Yes, You Can! Mut.

This loss hurts. But please, never stop believing that fighting for what’s right is worth it.” 

Eigentlich sollte ich an dieser Stelle einen Text zu “1 Jahr NEOS in der Hernalser Bezirksvertretung” schreiben. Eigentlich. Und eigentlich mache ich das jetzt auch. Nur eben mit Hilfe von Hillary Clinton. Jene Frau, die mich erhobenen Hauptes, vor zwei weinenden Männern stehend, heute an diesem beschissenen Tag zum ersten Mal mit ihrem trotz allem nicht verloren gegangenen Mut berührt hat. Mutig deshalb, weil sie selbst in dieser schwersten aller Stunden immer noch weiß, worauf es ankommt. Jetzt, mehr denn je. Nämlich stets mutig zu bleiben und zu kämpfen, woran man glaubt. Beware, das wird pathetisch (falls der Titel noch nicht eindeutig genug war)!

Ich bin Bezirksrätin. Kommunalpolitikerin also. Viel belächelt, kultig karikiert in Kaisermühlenblues, verdammt zu den ewigen Zebrastreifen und Spielplätzen dieser Stadt. Nicht wichtig, meinen die meisten. Sehr wichtig, meine ich. Nicht nur, weil ohne Zebrastreifen und Spielplätze unsere Stadt recht traurig aussehen würde, sondern auch, weil es Mut erfordert, unsere Welt ein bisschen zu verändern. Denn ob Nuklear-Code oder Zebrastreifen: wir alle tragen unser Eutzerl dazu bei, dass sich die Welt weiterdreht. Uns allen Aktivist_innen – egal, welchen Couleurs, welcher Verwaltungsebene oder welchen Gesellschaftsbereichs – ist gemein: wir übernehmen Verantwortung, wir packen an. Wir treten für unsere Ideale ein, wir kämpfen für eine bessere Zukunft, wir streiten, lassen uns eines besseren belehren und schließen Kompromisse. Wir ernten Undank und erleben Misserfolge. Das tut oft weh und ist fürchterlich unbequem. Aber wir verlieren nicht den Mut und geben das Ruder nicht aus der Hand. Warum das nicht nur wichtig ist, sondern auch gut fürs Seelenwohl, versuche ich jetzt zu erläutern:

Der einleitende Satz stammt wie erwähnt von Hillary Clinton aus ihrer heutigen, so genannten “Concession Speech”. Jener Rede also, die US-Präsidentschaftskandidat_innen traditionell noch in der Wahlnacht halten, um ihre Niederlage einzugestehen. Hillary hat sie erst heute gehalten. „Wer kann es ihr verübeln, war das Eingeständnis einer Niederlage wohl noch nie so schwer.“ Würden gefühlt viele aus meinem Umfeld sagen. Zumindest, wenn ich der Einschätzung meiner diversen Timelines glauben kann.

Dieses Gefühl der Ohnmacht, der schieren Ungläubigkeit, das kennen wir doch schon. Viele hat der Mut verlassen: In diesem Jahr scheint die Welt aus den Fugen zu geraten – denken wir nur an Brexit oder die sagenhaft kafkaesken Episoden der österreichischen Präsidentschaftswahlen. Regelmäßig werden Fluchtfantasien in den unterschiedlichsten Ausformungen laut und Köpfe werden in den Sand gesteckt. Zugegeben: ich muss mich auch manchmal ganz schön an der Nase nehmen. Aber was hilft das denn?

Gar nix. Im Gegenteil: Entrinnt uns der Mut, kommen die Feinde der Freiheit herbeigeeilt und saugen ihn auf. Sie strotzen dann vor Mut zum Ungeheuerlichen. Mut schafft Antrieb. Antrieb gibt Kraft. Kraft ist Power. Power ist Macht. So lange wir uns den Mut nehmen lassen, sind wir darauf angewiesen zu reagieren. Ständig starren wir in die hässliche Fratze der Passivität, der Machtlosigkeit und der fehlende Mut wird zum Unmut.

 

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Lasst uns diesen Tag zum Anlass nehmen, die Challenge zu taken und mutig zu sein. Heute ist noch Zeit zu jammern, aber morgen, morgen ist der Tag, wo wir uns alle fragen müssen: Womit kann ich meinen Beitrag leisten? Wo kann ich mutig sein? Denn sonst überlassen wir das Feld den Trumps und Hofers dieser Welt. Egal, ob im Tierschutzverein, einer Notschlafstelle, der Bezirkspolitik oder am Theater: habt Mut und engagiert euch! Tut was. Lasst uns all den Hochmutigen (sic!) da draußen zeigen, dass wir mehr sind. Ich kann euch versprechen, es fühlt sich geil an.

Ich schließe mit der großen Hannah Arendt, der mutigen Kämpferin gegen den Totalitarismus, an: „Der Mut befreit von der Sorge um das Leben, für die Freiheit der Welt. Des Mutes bedarf es, weil es in der Politik primär niemals um das Leben, sondern immer um die Welt geht, die so oder anders aussehen, so oder anders uns überdauern soll.

 

PS: Bei NEOS geht das Mutigsein übrigens hier.