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Alltag und Ausnahmezustand: in Lwiw (Ukraine)

Eindrücke von unserer Klubobfrau Kathi Kainz

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Ende November reiste eine österreichische Delegation – bestehend aus jungen Politiker:innen von NEOS, den Grünen und der SPÖ – in die Ukraine. Ziel der Reise war Lemberg (Lwiw), wo die Abschlussveranstaltung der Europäischen Jugendhauptstadt stattfand. Darüber hinaus hatte die österreichische Botschaft ein dichtes Programm organisiert, das Einblicke in Politik, Zivilgesellschaft und das alltägliche Leben in einem Land im Krieg ermöglichte.

Mit dabei war auch Kathi Kainz, Klubobfrau NEOS Hietzing, die ihre Eindrücke später mit vielen interessierten Mitgliedern und Unterstützer:innen beim Hietzinger Neujahrsempfang teilte.

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Ein Leben im Ausnahmezustand – und doch voller Alltag

Schon bei der Ankunft wurde klar, was es bedeutet, in einem Land zu leben, das sich seit Jahren verteidigen muss: Nach dem Check-in im Hotel folgte eine Bunkerführung. Nicht aus historischem Interesse, sondern um im Ernstfall den schnellsten Weg dorthin zu kennen. Fluchtwege zu Schutzräumen sind allgegenwärtig – so selbstverständlich ausgeschildert wie bei uns Notausgänge.

Auf den Straßen von Lwiw prägen Generatoren das Stadtbild. Große Anlagen versorgen Hotels und öffentliche Einrichtungen mit Strom, kleinere stehen ausnahmslos vor jeder Apotheke. Sie sind sichtbares Zeichen dafür, wie sehr sich die Infrastruktur an die ständige Bedrohung angepasst hat, denn Stromausfälle sind keine Seltenheit.

Gleichzeitig wirkt vieles erstaunlich normal: Geschäfte sind geöffnet, Schulen ebenso, Cafés sind belebt. Doch dieser Alltag ist brüchig. Denkmäler sind eingemauert, Kirchenfenster verbarrikadiert, um sie vor Bombenangriffen zu schützen. Ab Mitternacht gilt eine Ausgangssperre.

Eine Stadt im Wandel – geprägt vom Krieg 

Lwiw steht vor enormen Herausforderungen. Rund 58.000 Menschen aus der Stadt kämpfen derzeit an der Front, während gleichzeitig hunderttausende Binnenflüchtlinge aus dem Osten der Ukraine hier Schutz gesucht haben. Die Stadt muss öffentliche Bunker bereitstellen, da längst nicht alle Menschen über einen eigenen Keller verfügen.

Von einem Tag auf den anderen muss Lwiw zudem barrierefrei werden: Viele Soldat:innen kehren verwundet zurück, manche ohne Arme oder Beine. Der Krieg verändert nicht nur das Heute, sondern auch die Zukunft der Stadtplanung, der Sozial- und Gesundheitssysteme.

Besonders eindrücklich war auch, wie offen über Themen gesprochen wird, die sonst oft tabuisiert sind: Männer können vor ihrem Einsatz an der Front Sperma in Samenbanken abgeben – für den Fall, dass sie unfruchtbar zurückkehren oder gar nicht mehr heimkommen.

Mentale Gesundheit als Überlebensstrategie

Ein zentrales Thema bei allen besuchten Institutionen – Universitäten, NGOs, Frauenhaus, Rathaus und Gebietsparlament – war die mentale Gesundheit. Psychische Stabilität ist im Krieg keine Nebensache, sondern eine Überlebensstrategie. Überall wurde berichtet, wie versucht wird, die Bevölkerung zu unterstützen und Kriegsrückkehrer:innen auch psychologisch aufzufangen.

Verantwortung leben – auch in Hietzing

Kathi Kainz schilderte ihre persönlichen Erfahrungen beim Hietzinger Neujahrsempfang. Die gezeigten Fotos und Videos von Friedhöfen und kriegsversehrten Menschen berührten viele Anwesende tief. Der Abend war nicht nur ein Moment des Zuhörens, sondern auch des Handelns: 1.655 Euro wurden gesammelt und an das Spitals- und Rehabilitationszentrum „Unbroken“ gespendet.

Abschließend brachte Kathi Kainz es auf den Punkt: "Ich weiß nun umso mehr zu schätzen, in einem Land leben zu dürfen, für das ich keine Luftalarm-App am Handy brauche, in dem ich einfach in Ruhe zu Bett gehen kann, ohne Taschenlampe und die wichtigsten Dokumente griffbereit neben meinem Bett bereit halten zu müssen."

Gerade als liberale Kraft ist es uns ein Anliegen, hinzusehen, Solidarität zu zeigen und Verantwortung über Bezirks- und Landesgrenzen hinaus wahrzunehmen. Denn Freiheit, Sicherheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit – weder in der Ukraine noch bei uns. 

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