Besuch des Nordwestbahnhof-Museums
Geschichte miterleben

Wir durften am 19. Februar das Nordwestbahnhof-Museum näher kennenlernen und haben viel Spannendes über das ehemalige Bahnhofsgelände gelernt. Durch die Ausstellung geführt hat uns Michael Hieslmair, der die Ausstellungsstücke mit sehr viel Wissen und Begeisterung regelrecht zum Leben erweckt hat. In insgesamt drei Räumen gibt es allerlei Interessantes zur Geschichte und zur Zukunft des Bahnhofs zu bestaunen.
Zur Geschichte des Bahnhofs
Der Nordwestbahnhof wurde 1872 unter der Leitung des Stuttgarter Architekten Wilhelm Sophonias Bäumer als zweitgrößter von insgesamt sechs Wiener Kopfbahnhöfen eröffnet. Bis 1914 wurde das Areal stetig erweitert. Nach dem Ende der Monarchie verlor der Bahnhof jedoch zunehmend an Bedeutung im Personenverkehr und schlussendlich wurde die Bahnhofshalle in ein Veranstaltungszentrum umgewidmet. Das Gebäude beherbergte unter anderem die erste Schihalle der Welt!
1938 wurde der Nordwestbahnhof Schauplatz zahlreicher NS-Großveranstaltungen. Auch die antisemitische Wanderausstellung „Der ewige Jude“ wurde hier gezeigt. Während des Zweiten Weltkriegs reaktivierte die Deutsche Reichsbahn das Gelände, nach schweren Kriegsschäden in den 1950er-Jahren wurde das Bahnhofsgebäude abgetragen.
Der reguläre Personenverkehr wurde bereits 1924 eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof vorübergehend wieder genutzt, bevor der Personenverkehr 1959 endgültig endete. In den 1970er-Jahren entstand auf dem 44 Hektar großen Gelände ein moderner Güter- und Containerterminal mit Anbindungen an die leistungsfähigsten Häfen wie etwa Duisburg, Rotterdam und Hamburg. Nach einem letzten Ausbau in den 1980er-Jahren veränderte der EU-Beitritt Österreichs 1995 das Speditionsgeschäft grundlegend und machte den Weg frei für neue Zwischennutzungen und schließlich auch für das heutige Stadtentwicklungsprojekt.

Zur Zukunft des Bahnhofs
Auf dem aktuell weitgehend ungenutzten Gelände entsteht in den nächsten Jahren ein attraktives urbanes Stadtviertel mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, einer großen Parkanlage und einem Bildungscampus. Das Postamtsgebäude an der Nordwestbahnstraße, ein kleines Stellwerk und eine Lagerhalle werden dabei als Erinnerungsstücke an den ehemaligen Bahnhof beibehalten. Der Rest des Areals wird vollständig neu gestaltet.
Bis 2040 soll dieser neue Stadtteil wachsen: Die rund 1,2 Kilometer lange Barriere zwischen Taborstraße und Hellwagstraße wird aufgehoben. Geplant sind rund 6.500 Wohnungen für 16.000 Menschen. Der Fokus liegt dabei klar auf Nachhaltigkeit, leistbarem Wohnen und gelebter Kreislaufwirtschaft. 60 Prozent der Wohnungen werden gefördert, der Rest ist freifinanziert.
Das neue Viertel verbindet innerstädtisches Wohnen und Arbeiten mit hohem Freizeit- und Erholungswert. Das Herzstück bildet die zehn Hektar große „Grüne Mitte“, eingebettet in ein klimafittes Freiraumkonzept. Auch beim Bauen setzt man auf Zukunft: Materialien werden wiederverwendet und Beton mit CO₂-reduziertem Zement sorgt für Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Und was uns als NEOS vor allem freut: Bis 2028 entsteht am Nordwestbahnhof ein neuer Bildungscampus für bis zu 1.600 Schüler:innen. Wir dürfen uns in der Brigittenau auf ein klimafreundliches und sozial durchmischtes Wohn-, Arbeits- und Bildungsviertel freuen.
Das Museum ist jeden Donnerstag von 15 bis 19 Uhr sowie nach persönlicher Vereinbarung geöffnet und der Eintritt ist frei – wir können wirklich jedem nur empfehlen, dieser interessanten Ausstellung einen Besuch abzustatten.



