Energiewende in Wien – und ganz konkret in Hernals
Unser Bezirkstreffen mit Stefan Gara

Wie schaffen wir die Energiewende in Wien und ganz besonders in unserem dicht bebauten Bezirk Hernals? Genau darüber haben wir beim NEOS Hernals Bezirkstreffen mit Gemeinderat Stefan Gara gesprochen: über den Ausstieg aus fossilem Gas, über erneuerbaren Strom – und darüber, warum Energieeffizienz mindestens genauso wichtig ist wie neue Energiequellen.
Wien hat sich früh festgelegt: klimaneutral bis 2040
Schon 2020 hat sich Wien das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden – und damit auch beim Heizen „raus aus Gas“ zu kommen. Damit war sie Vorreiterin bei einem Thema, das heute unbestritten ist: Wir müssen die Energiewende schaffen, aus klimapolitischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. Spätestens seit den Energiepreisschocks der letzten Jahre ist klar: Energiewende ist nicht nur Klimaschutz, sondern auch Schutz vor Abhängigkeiten und ein Beitrag zur Preisstabilität. Dass Energie (und vor allem Haushaltsenergie wie Strom) ein wesentlicher Treiber der Teuerung war, zeigen auch aktuelle Auswertungen der Statistik Austria.
Und: Wien geht beim Thema Versorgungssicherheit voran. Wien Energie hat angekündigt, ab 2025 kein russisches Erdgas mehr zu beschaffen. Als erstes Bundesland ist Wien damit unabhängig von Russland.
Was bedeutet „Raus aus Gas“ eigentlich?
„Raus aus Gas“ heißt Schritt für Schritt fossile Heizsysteme durch erneuerbare und effiziente Alternativen zu ersetzen. Das funktioniert je nach Gebäude unterschiedlich: etwa durch Fernwärme, Wärmepumpen, Nahwärmenetze, Geothermie oder Kombinationen davon. Ziel ist, dass alle Gebäude in Wien bis 2040 klimaneutral beheizt werden.
Ein wichtiger Punkt aus der Diskussion: Jedes Haus ist anders. Baujahr, Zustand, Eigentumsstruktur, Platzverhältnisse, Leitungsinfrastruktur – all das entscheidet mit, welche Lösung sinnvoll ist. Genau deshalb braucht es gute Planung, Beratung und klare Rahmenbedingungen.
Im Folder “100 Projekte Raus aus Gas” zeigt sich, dass der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme in jeder Gebäudeform möglich ist.
Der Wiener Klimafahrplan: Ziele, Maßnahmen – und laufendes Monitoring
Der Wiener Klimafahrplan ist sozusagen die „Landkarte“ zur klimaneutralen Stadt: Er bündelt Ziele und über 100 Maßnahmen in den Bereichen Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft – und macht Fortschritte überprüfbar.
Wichtig dabei: Im Klimafahrplan steht nicht nur „mehr erneuerbar“, sondern auch klar, dass wir Energie einsparen, intelligenter nutzen und im Kreislauf führen müssen.
Hernals kann Energiewende – „Schnittenheizung“ als Vorzeigeprojekt
Eines der schönsten Beispiele dafür steht mitten bei uns im Bezirk: die „Schnittenheizung“ der Mannerfabrik. Was dort passiert, ist Energiewende zum Angreifen: Die Abwärme aus dem Backprozess wird in ein lokales (Nahwärme-)Netz eingespeist – und versorgt damit rund 600 Haushalte und Betriebe in Hernals und Ottakring mit Wärme und Warmwasser.
Das zeigt, worum es uns bei NEOS geht: Ganz konkrete Lösungen, die lokal wirksam, effizient und wirtschaftlich sind.
Abwärme als riesiger Hebel: Simmering kann bis zu 112.000 Haushalte versorgen
Dass Abwärme ein echter Gamechanger ist, zeigt auch ein Wiener Großprojekt: Bei der Kläranlage in Simmering nutzt Wien Energie die Restwärme aus gereinigtem Abwasser über Großwärmepumpen – im Vollausbau können damit bis zu 112.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt werden.
NEOS-Erfolge: klare Regeln und mehr Sonnenstrom
Damit die Energiewende wirklich gelingt, braucht es Planbarkeit – für Haushalte, Eigentümer:innen, Betriebe und die Stadt selbst. Ein zentraler Schritt dafür ist das Wiener Klimagesetz, das im März 2025 beschlossen wurde und Klimaziele sowie Instrumente wie Klimafahrplan, Klimabudget und Klima-Checks verbindlich verankert.
Und ja: Beim Strom geht’s schneller als bei Gebäuden. Wien hat die Sonnenstrom-Leistung in weniger als fünf Jahren mehr als verfünffacht (von rund 50 MWp auf 250 MWp) und das 2025-Ziel sogar übertroffen. Der nächste große Brocken bleibt die Wärmeversorgung in Bestandsgebäuden – genau dort müssen wir dranbleiben.
Hernals ist WieNeu+: Förderungen nutzen, Grätzl stärken
Besonders relevant für unseren Bezirk: Hernals ist WieNeu+ Programmgebiet. Das heißt: Stadterneuerung wird hier gezielt als Klimaprojekt angepackt – gemeinsam mit Eigentümer:innen, Bewohner:innen, Betrieben, Vereinen und Initiativen. Das Gebiet läuft planmäßig bis 2028.
Ganz konkret gibt es u. a.:
- Grätzlförderung für innovative Sanierungs- und Energielösungen: bis zu 500.000 Euro Förderung
- Förderung für Planung/Machbarkeitsstudien: bis zu 30.000 Euro
- Ab 2026 die „Grätzlmarie“ als Ideenbudget für nachbarschaftliche Projekte, die Hernals klimafit machen
Das ist eine echte Chance: Wer saniert, wer Energie spart, wer auf erneuerbare Wärme umstellt, stärkt nicht nur das eigene Haus – sondern das ganze Grätzl.
Weitere Informationen zu WieNeu+ in Hernals finden sich hier: https://wieneuplus.wien.gv.at/hernals.
Unser Fazit aus dem Bezirkstreffen
Energiewende gelingt dann, wenn sie…
- realistisch planbar ist, mit klarem Regelwerk, das für alle verbindlich ist,
- technologisch offen bleibt (weil jedes Gebäude andere Voraussetzungen hat),
- effizient denkt (Abwärme & Kreislauf statt Verschwendung),
- und vor Ort passiert und im Grätzl vernetzt gedacht wird.



