NEOS Wien:

Wien braucht eine Bildungsrevolution

05. September 2018

Wie die Wiener Pflichtschulen den Kindern die Chancen verbauen.

Bildung ist ein zentraler Baustein für unsere Gesellschaft und eine der wesentlichen Zukunftsfragen für eine Stadt wie Wien. Gerade im Pflichtschulbereich liegt in Wien aber vieles im Argen, kritisiert der designierte Klubobmann von NEOS Wien, Christoph Wiederkehr: „Rot-Grün hat bildungspolitisch versagt – das belegen die Zahlen im Pflichtschulbereich eindeutig. Es wird vieles schön geredet, kritische Stimmen bekommen einen Maulkorb verpasst und der gesamte Bildungsbereich wird zum ideologischen Spielball zwischen Rot-Grün in Wien und Schwarz-Blau im Bund. Dieses ideologische Match wird auf den Rücken unserer Kinder ausgetragen. Es kann nicht so weiter gehen, Grundlegendes muss sich ändern – und zwar jetzt!“

Die NMS als "Schreckgespenst" für viele Eltern 

Wiener Eltern entscheiden sich österreichweit am häufigsten dafür, ihr Kind auf eine Privatschule anstatt an eine öffentliche Schule zu geben. Sie tun das, weil sie ihren Kindern die beste Bildung ermöglichen wollen. Die Wiener öffentlichen Schulen erfüllen diesen Auftrag aus ihrer Sicht jedoch häufig nicht. Insbesondere an den Neuen Mittelschulen offenbaren sich die Bildungsmisere und das bildungspolitische Versagen deutlich: Mehr als 60 Prozent der Pflichtschulkinder in Wien erreichen die Bildungsstandards in Deutsch in der 8. Schulstufe nicht. Zum Vergleich: Im Österreich-Durchschnitt sind es nur rund 30 Prozent der Kinder, die die Bildungsstandards nicht erreichen, also um die Hälfte weniger als in Wien.

Seit Jahren kann man den Trend beobachten, dass die NMS in Wien zu Brennpunktschulen verkommen. Eltern wollen ihre Kinder nicht mehr an die NMS geben. Bereits in den Volksschulen wird versucht – mit Druck auf die Kinder und oft auch auf Lehrer_innen – möglichst gute Zeugnisse zu bekommen, damit das Kind nicht auf eine Wiener NMS gehen muss. Zur Not muss eine Privatschule herhalten. Auch das belegen die Zahlen deutlich: Während österreichweit rund ein Drittel aller Schüler_innen der 5. Schulstufe eine AHS besucht, sind es in Wien mehr als die Hälfte. Auch der Anteil der Privatschüler_innen ist in Wien besonders hoch:

Auch in Wien sind Bildungschancen höchst unterschiedlich zwischen den Bezirken verteilt. Aufschluss darüber geben die Zahlen der außerordentlichen Schüler_innen (also jener Schüler_innen, die zumeist aufgrund mangelnder Deutsch-Kenntnisse dem Unterricht zunächst nur als außerordentliche Schüler folgen können und auch nicht benotet werden): In Wieden waren im Schuljahr 2017/18 nur 8 Prozent der Volksschulkinder als außerordentliche Schüler_innen geführt, in Brigittenau und Margareten hingegen ein Drittel!

Ein weiterer Indikator, der die unterschiedliche Verteilung von Bildungschancen zwischen den Bezirken verdeutlicht, ist die Anzahl an AHS-Unterstufenklassen pro Einwohner_in. In der Leopoldstadt gibt es zum Beispiel nur 5 AHS-Unterstufenklassen pro 10.000 Einwohner_innen, in der Josefstadt hingegen 15.

Bildungsgipfel für Wien – Startschuss für die Bildungsrevolution!

Dass man auch innerhalb bestehender Schulsysteme signifikante Verbesserungen erzielen kann, haben andere Städte wie zum Beispiel London vorgemacht.

Ende der 1990er Jahre war London die Region Englands mit den niedrigsten Abschlüssen und niedrigsten erzielten Mindeststandards. Fünf Jahre nach dem Start der „London Challenge“ lag die Stadt über dem nationalen Schnitt hinsichtlich der Erreichung der Mindeststandards.

Einige der getroffenen Maßnahmen:

  • Datenmaterial wurde von eigenen Statistik- und Rechercheteams erhoben und gezielt eingesetzt, um evidenzbasiert die effektivsten Maßnahmen treffen zu können.
  • Schulen vereinbarten Ziele mit externen Experten und bekamen Programme, die auf ihre spezifische Problematik individuell zugeschnitten waren.
  • Lehrer_innen wurden intensiv nachqualifiziert. Im Problembezirk Tower Hamlets wurde etwa ein eigener Masterlehrgang „Advanced Teacher Skill Programme“ eingerichtet. Außerdem wurden allen beteiligten Lehrer_innen im Rahmen von „Teaching Schools“ Coachings und aktive Unterstützung an der Schule selbst bereitgestellt.

„Was London kann, das muss Wien auch schaffen“, so NEOS Wien Bildungssprecherin Bettina Emmerling, „wir fordern eine echte Bildungsrevolution für Wien, an deren Beginn ein großer Bildungsgipfel stehen muss. Alle Kräfte müssen an einem Strang ziehen, ohne ideologische Grabenkämpfe! Bei diesem Bildungsgipfel sollen die Eckpfeiler einer Bildungsrevolution vereinbart werden. Wichtig sind dabei klar definierte Ziele, transparent vergebene Mittel und ein Monitoring der Zielerreichung! Wir müssen die Wiener Pflichtschulen retten!“ fordert Emmerling.

NEOS Wien Forderungen für die Wiener Pflichtschulen

Die Wiener Pflichtschulen brauchen eine Reihe von Maßnahmen. Die wichtigsten Forderungen:

NMS-Lehreroffensive

Die Stadtregierung muss endlich aktiv werden, um die besten Köpfe für die Wiener NMS zu gewinnen – dies vor allem angesichts der bevorstehenden Pensionierungswelle bei den Lehrer_innen und der Tatsache, dass Pädagog_innen mit der Lehrerausbildung NEU künftig wählen können, ob sie an einer NMS oder AHS unterrichten wollen. Die Stadtregierung muss daher Anreize für Junglehrer_innen setzen: Sie sollen nicht mehr länger allein gelassen werden, sondern Unterstützung bekommen durch begleitendes Coaching, regelmäßigen Austausch über Best Practice Beispiele und ein gezieltes, auf den Bedarf abgestimmtes, Fortbildungsprogramm für Lehrer_innen.

Kleine Klassen für die Kleinsten

Wien hat im Vergleich zu den anderen Bundesländern die größten Volksschulklassen, und das, obwohl gerade in Wien besonders viele Schüler_innen aus sozial benachteiligten Familien kommen. In Wien gehen durchschnittlich 22 Kinder in eine Volksschulklasse, österreichweit sind es nur 19. Gerade an Klassen mit einem hohen Anteil an außerordentlichen Schüler_innen sowie an Schüler_innen aus sozial benachteiligten Familien braucht es einen Ausgleich. Wir fordern deshalb kleinere Klassen für die Kleinsten an Brennpunktschulen.

Ein Sozialarbeiter an jeder Brennpunktschule:

An Brennpunktschulen wird dringend zusätzliches Unterstützungspersonal benötigt. Das sind vor allem Schulsozialarbeiter_innen und Schulpsycholog_innen, aber auch administratives Personal oder Logopäd_innen und Dyslexietherapeut_innen.

Diese Maßnahmen können über eine indexbasierte Förderung finanziert werden. Schulen bekommen zusätzliche finanzielle Mittel, wenn sie einen gewissen Sockelanteil an sozial sehr stark oder stark Benachteiligten haben, wenn z.B. mehr als 25 Prozent sozial gefährdete Kinder an Schule gehen. Nach zwei bis drei Jahren wird evaluiert, ob die Mittel effektiv eingesetzt wurden und bessere Bildungsergebnisse erzielt werden.