✉️  Bleib informiert — jetzt Wien-Newsletter abonnieren. →

Zum Inhalt springen

Kunst, Kritik und viel Empörung

Darf persönlicher Geschmack ein Kriterium für öffentliche Kulturförderung sein?

Donaustadt Exzess.jpeg

© Kistina Svoboda

Wenn Kunst plötzlich zum persönlichen Angriff wird. Bei der Bezirksvertretungssitzung am 23. September 2026 stand unter anderem eine FPÖ-Resolution zum Plakat des Donaustädter Kulturfestivals „EXZESS!“ zur Debatte. Die eigentliche kulturpolitische Frage hätte dabei eigentlich ganz einfach sein können: Darf persönlicher Geschmack ein Kriterium für öffentliche Kulturförderung sein?

Nach der Wortmeldung von NEOS-Donaustadt-Klubvorsitzendem und Kultursprecher Marcin Suder wurde daraus allerdings noch etwas anderes.

Suder hatte darauf hingewiesen, dass Kunst nicht jedem gefallen müsse, dass sie provozieren und irritieren dürfe – und dass es in der Geschichte immer wieder politische Systeme und Machthaber gegeben habe, die mit unbequemer Kunst ihre Probleme hatten. Seine Formulierung, die Resolution erinnere an „ganz dunkle Zeiten der Weltgeschichte“, bezog sich dabei ausdrücklich nicht auf die FPÖ und schon gar nicht auf eine Gleichsetzung mit dem Nationalsozialismus.

Offenbar kam diese Interpretation trotzdem auf.

Ein FPÖ-Bezirksrat fühlte sich persönlich ins sprichwörtliche Nazi-Eck gestellt. Nur: Dieses Eck hatte niemand eingerichtet. Es entstand erst in der anschließenden Interpretation der Rede.

Man könnte beinahe sagen: Wer bei tausenden Jahren Kunst- und Kulturgeschichte ausgerechnet nur eine einzige dunkle Epoche als mögliche Referenz erkennt, macht diese Verbindung vielleicht ein Stück weit selbst.

Ähnlich verhielt es sich beim zweiten Aufreger: dem von Suder gezogenen Vergleich mit Heimatfilmen der 1950er-Jahre.

Auch daraus wurde offenbar ein Nazi-Vergleich herausgelesen. Historisch ist das allerdings ziemlich schwer nachzuvollziehen. Die 1950er-Jahre waren schließlich die Nachkriegszeit – und der österreichische Heimatfilm dieser Zeit stand gerade für eskapistische, idyllische Bilder einer vermeintlich heilen Welt. Der Vergleich zielte also auf konservative Wohlfühlästhetik und Weltflucht, nicht auf NS-Propaganda.

Vielleicht wäre ein kleiner Ausflug in die österreichische Filmgeschichte an dieser Stelle hilfreich gewesen.

Denn genau darum ging es in der Debatte eigentlich: Muss Kunst gefallen, um förderwürdig zu sein?

Für NEOS ist die Antwort klar: Öffentliche Kulturförderung sollte sich an nachvollziehbaren Kriterien orientieren – etwa an künstlerischer und gesellschaftlicher Relevanz – und nicht daran, ob ein Plakat einer politischen Partei persönlich gefällt.

Oder, um es mit einem kleinen Augenzwinkern zu sagen:

Wenn „EXZESS!“ schon daran scheitert, dass es tatsächlich ein bisschen exzessiv ist, sollten wir beim nächsten Kultur-Leitthema vielleicht vorsichtshalber „Bitte niemanden irritieren!“ draufschreiben.

Du willst mehr Infos aus der Donaustadt? Dann melde dich jetzt zu unserem Newsletter an!

Weitere interessante Artikel

Klassenraum Schule.jpg
24.09.2026Bildung

Wien als Pilotstandort für sechsjährige Volksschule

Mehr dazu

Melde dich für unseren Newsletter an!