Mamas for President
Übers Muttersein in der Politik

Am Donnerstag, den 24. September, haben drei Mamas aus der Politik – Anna Stürgkh, Selma Arapović und Elisabeth Petracs – im Sieben Zwerge Café über ihre Erfahrungen zum Thema Muttersein in der Politik gesprochen.
Das Event wurde von NEOS Leopoldstadt und NEOS Brigittenau organisiert. Helena Gabriel hat spannende Fragen zum Thema Muttersein in der Politik gestellt und jede Menge interessierter Personen haben bei Kaffee, Snacks und Kuchen gespannt den Antworten der drei Mamas gelauscht. Anna gab Einblicke zum Thema auf EU-Ebene, Selma auf Wien-Ebene und Elisabeth auf Bezirks-Ebene. Alle drei waren sich einig, dass ihre Kinder ein Hauptgrund sind, warum sie überhaupt in die Politik gegangen sind. Eine gute Zukunft für seine Kinder schafft man am besten, indem man sie aktiv mitgestaltet.
Vereinbarkeit von Muttersein und Politik
Wie Anna sehr treffend eingangs bemerkte, ist die Vereinbarkeit von Muttersein und Politik bis zu einem gewissen Grad eine „Zumutung“. Eine Zumutung für einen selbst und für das eigene Umfeld – und zwar nicht nur im negativen, sondern auch im positiven Sinne. Kurz vor dem Mutterwerden und auch für eine geraume Zeit danach müssen sich alle im Umfeld der Mama in unterschiedlichem Ausmaß an ihre Situation anpassen. Das betrifft sowohl die Familie als auch Kolleg:innen in der Politik. Der Partner bzw. die Partnerin teilt sich beispielsweise die Karenz mit der Mama und ermöglicht es ihr so, früher wieder Politik zu machen. Die Kolleg:innen müssen unter Umständen akzeptieren, dass vielleicht mal das Baby mit zur Arbeit gebracht wird. Sie können aber auch mit ihren eigenen Erfahrungen helfen und unterstützen. Eines merkten alle drei Mamas an: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist vor allem in der Politik schwierig. Elisabeth ist als Bezirksrätin beispielsweise in einer Position, in der sie nicht von ihrer politischen Funktion leben kann. Sie hat einen Vollzeitjob und muss die Bezirksarbeit mit ihrer Freizeit, die sonst mit Familie verbracht werden könnte, vereinbaren. Für Anna und Selma ist Politik zwar der Vollzeitjob – wichtige Events oder Verhandlungen werden jedoch sehr oft zu Randzeiten wie am Abend oder an den Wochenenden abgehalten. Das erschwert die Vereinbarkeit von Familie und Politik wieder stark.
Muttersein als Person des öffentlichen Lebens
Wie man mit dem Mamasein als Person des öffentlichen Lebens umgeht, wird von allen dreien etwas anders angegangen. Elisabeth meint, dass sich das auf Bezirksebene noch im Rahmen hält, und dass in ihrer konkreten Situation auch der Rest der Familie aus unterschiedlichen Gründen medial präsent ist. Das macht es ihr leichter, mit ihrer Präsentation in den Medien umzugehen. Selma trennt Familie und Beruf in Hinblick auf jegliche Art medialer Auftritte, da auch von Seiten ihres Partners und ihrer Kinder kein Wunsch besteht, auf diese Weise in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Anna thematisiert ihr Muttersein in den Medien, jedoch nur als grundsätzliches Thema und nicht privat bezogen auf ihre Kinder. Sie zeigt nie das Gesicht ihrer Kinder und veröffentlicht auch keine Namen oder Geburtsdaten. So stellt sie sicher, dass sie zwar über die Herausforderungen und die Möglichkeiten des Mutterseins in der Politik sprechen kann – ihre Kinder aber nie in die Öffentlichkeit stellt. Sie will so anderen Frauen Mut machen und ihnen zeigen, dass Muttersein und Politik vereinbar sind. Gleichzeitig soll dadurch aber auch Erwartungsmanagement betrieben werden, da der Weg auch viele Herausforderungen mit sich bringt.
Welche Rahmenbedingungen gibt es schon & welche braucht es noch
Anna, Selma und Elisabeth waren sich einig, dass für eine gute Vereinbarkeit von Muttersein und Politik zum einen das System, zum anderen auch das familiäre Umfeld beteiligt sein muss. Die Väter sollten beispielsweise den sogenannten Papamonat in Anspruch nehmen und auch sonst schauen, ob die Karenzzeit aufgeteilt werden kann. Es sollte gut mit dem Partner bzw. der Partnerin abgesprochen werden, wer welche Aufgaben übernimmt und wer wann zuhause ist. Aber auch das System muss verändert werden. Im EU-Parlament gibt es, wie Anna hervorhebt, bereits einige sehr positive Entwicklungen in dieser Hinsicht. Zum einen gibt es eine Kinderbetreuungsstätte, wo man Kinder zeitlich ganz flexibel hinbringen kann. Auch wird es nicht selten gesehen, dass Abgeordnete ihre Kinder im Büro dabeihaben. Zudem wird sich demnächst etwas sehr Wichtiges ändern, nämlich in Hinblick auf die Vertretung bei Abstimmungen. Bisher waren Mütter, die in Karenz waren, einfach von den Abstimmungen ausgeschlossen und ihre Stimme ging so verloren. Bald soll jedoch ein:e Vertreter:in bestimmt werden dürfen, der bzw. die im Namen der Mama abstimmen darf. Solche Maßnahmen sind alles Schritte in die richtige Richtung. Eine weitere wichtige Veränderung wäre, dass Events und Verhandlungen nicht mehr an Randzeiten sondern zu den „üblichen“ 9-5-Zeiten stattfinden.
Wir bedanken uns bei Helena für die Moderation und bei Anna, Selma und Elisabeth für die ehrlichen, spannenden und unterhaltsamen Einblicke in ihre Erfahrungen!



