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Auszeit-WGs: Meilenstein im Kampf gegen Jugendkriminalität

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Eine Handvoll Kinder, die Hunderte Straftaten begehen. Darunter Raubüberfälle, gestohlene Autos, Körperverletzungen. Sie sind unter 14 Jahre alt, also strafunmündig, strafrechtlich nicht zu belangen. Und bisherige Maßnahmen – von erlebnispädagogischen Projekten bis zur Orientierungshilfe – haben bei ihnen nicht funktioniert. Entweder verweigert, oder ohne Wirkung.

Das Ergebnis: Die Kinder glauben, dass ihnen nichts passieren kann. Und das System hat ihnen bisher recht gegeben.

Damit ist jetzt Schluss. Als erstes Bundesland führt Wien Auszeit-WGs ein – sozialpädagogische Wohngemeinschaften, in denen strafunmündige Intensivtäter:innen zwischen 11 und 13 Jahren untergebracht werden können. Inklusive Freiheitsentzug als letztes Mittel.

Wie kann man sich die Auszeit-WG vorstellen?

Kinder, die in eine Auszeit-WG kommen, haben ein dichtes Tagesprogramm: Von Anti-Gewalt-Trainings über Sport bis zu Therapie. Sie lernen Werkzeuge, um mit Stress und Aggression umzugehen, und werden dabei fachärztlich betreut – durch Kinder- und Jugendpsychiatrie und klinische Psycholog:innen. Alles mit dem Ziel, weitere Straftaten zu verhindern und die betroffenen Kinder aus der Kriminalitätsspirale zu befreien.

Und der Freiheitsentzug? Die Unterbringung funktioniert nach einem Stufenmodell: Am Anfang sind Ausgänge nur in Begleitung möglich, am Ende stehen selbstständige Ausgänge. Die Nachbetreuung wird von Tag eins mitgeplant – gemeinsam mit Sozialarbeiter:innen, früheren Bezugspersonen, der Schule und den Eltern.

Die Auszeit-WG hat Platz für zwei Kinder gleichzeitig. Das klingt wenig, reicht aber: Bei einer Aufenthaltsdauer von 6 bis 12 Wochen können jährlich 8 bis 16 Kinder betreut werden. In Wien gibt es insgesamt rund 30 Kinder unter 14 mit zehn oder mehr Delikten pro Jahr. Davon sind fünf bis sechs besonders schwere Fälle. Die Zielgruppe ist klein, aber sie richtet unverhältnismäßig großen Schaden an – für die Gesellschaft und für sich selbst.

Warum diese Reform?

Wir NEOS haben sozialpädagogische Wohngemeinschaften für strafunmündige Intensivtäter:innen schon im Wien-Wahlkampf gefordert. Damals war das vielen zu hart, zu neu, zu unbequem. Andere leugnen die Probleme, die wir in Wien haben oder wollen die Strafmündigkeit allgemein herabsetzen, was zu einer Kriminalisierung der Kinder führen würde, statt zielgerichtet bei Härtefällen anzusetzen. Wir meinen: Jedes Kind hat eine Chance verdient. Darum wollen wir sie schnell wieder in die Schule zurückbringen – und in die Gesellschaft.

Wie sieht die Umsetzung aus?

Für langfristig geschlossene Einrichtungen bräuchte es ein eigenes Bundesgesetz. Die Stadt Wien nutzt die Möglichkeiten des Heimaufenthaltsgesetzes. Das heißt: Voraussetzung für den Freiheitsentzug ist eine ärztlich diagnostizierte psychische Erkrankung und erhebliche Fremdgefährdung. Alle anderen Optionen müssen ausgeschöpft sein. Die Maßnahme wird gerichtlich geprüft, jedes Festhalten dokumentiert, und die Kinder können jederzeit die Kinder- und Jugendanwaltschaft kontaktieren.

Das Projekt wird von der Forschungsstelle der Kinder- und Jugendhilfe wissenschaftlich begleitet und nach einem Jahr evaluiert. Die Kosten liegen bei 800.000 Euro im Jahr. Gemessen daran, was ein einziger Intensivtäter an Folgekosten verursacht – für Polizei, Justiz, Opfer, und später für Sozialsysteme – ist das eine Investition, die sich rechnet.

Zusammengefasst: Für eine kleine Gruppe strafunmündiger Intensivtäter:innen gab es bisher keine wirksame Antwort. Die Auszeit-WGs sind ein wichtiger Schritt, um das zu korrigieren – und ein Meilenstein im Kampf gegen Jugendkriminalität.

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