Simmering setzt Zeichen gegen das Vergessen
Stein des Gedenkens enthüllt

Am 8. Mai wurde in der Ehamgasse 8 Simmerings erster Stein des Gedenkens enthüllt. Es mag zwar nur eine kleine Plakette im Gehsteig sein, für uns bedeutet sie jedoch viel.
Die Familie Feuchtbaum – Simmeringer:innen wie wir
Anschel Feuchtbaum war Photograph mit Atelier in der Simmeringer Hauptstraße 68, Sportler, Vereinsmitglied – verwurzelt in diesem Bezirk. 1938 wurde er ins KZ Dachau deportiert, dann nach Buchenwald. Er überlebte, floh nach Frankreich und kehrte nach dem Krieg zurück. Seine Frau Ryfka und die siebenjährige Tochter Toska hatten dieses Glück nicht: Am 12. Mai 1942 wurden sie nach Izbica deportiert und ermordet. Der Stein erinnert auch an Johann Ketterer, 1944 als politisch Verfolgter hingerichtet, und an Franz Prikryl, 1945 beim Massaker in Stein bei Krems ums Leben gekommen.
Seit 13. Nov 2014 erinnert der Toskaweg auf den ehemaligen Mautner-Markhof-Gründen nicht nur an Feuchtbaums Tochter, sondern stellvertretend auch an die vielen weiteren Kinder, welche zu Opfern des NS-Regimes wurden.
Erinnern ist eine politische Entscheidung
Die Familie Feuchtbaum war keine historische Fußnote. Sie war Teil dieses Bezirks. Der Nationalsozialismus hat das zerstört – mit bürokratischer Präzision und gesellschaftlicher Duldung. Demokratien sind keine selbsterhaltenden Systeme. Sie brauchen Menschen, die Grundwerte aktiv verteidigen: Freiheit, Würde, Rechtsstaatlichkeit.
Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht schützen.



